Liebe Freunde des Blogs aene gespinst,
aene spinnt noch, soviel ist sicher. aene blogt aber im Moment nicht so viel. So viel ist auch mal sicher.
Das Gespinst der Zukunft hängt am grauen Londoner Horizont. Gerade müssen Bewerbungen
geschrieben werden, die zäh von der Hand gehen. Der Fotoapparat verstaubt glaube ich gerade.
Ach, ist das traurig. Jetzt denke ich an Polen zurück und denke, wie viel Zeit und Muße ich doch
dort hatte, mich meinen Bildern und Gedanken zu widmen. Aber als ich dort war, kam es mir so vor,
als wäre ich schwer beschäftigt. Alles wird nachträglich mit einem Nostalgieschleier überzogen,
der die Ecken und Kanten in milchigem Licht einebnet.
Ich fürchte, jetzt muss ich ganz schnell aufhören zu schreiben, denn sonst werde ich unweigerlich
in ein unangenehmes Vokabular verfallen, das darauf abhebt, wie toll ich bin und was ich alles kann.
Aber darum geht es schließlich, mich zu be-werben. Wie eine Freundin mir gesagt hat:
You're a product! Und bei Produktbeschreibungen muss jedes Wort sitzen.
Schade ist es dennoch, dass ich gerade keine Fotospaziergänge mache, denn eigentlich lebe ich
in einem Viertel Londons, wo viel zu entdecken ist. Es gibt aber auch gute Nachrichten: In 2 Wochen
ist die Uni erstmal zu Ende und dann, mal schauen...
| Aene Gespinst |
aene gespinst.
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10.03.13
13.03.12
Grau / Szary
Marzę o wakacjach.
//
Ich träume von den Ferien.
//
Neulich erst im Polnisch Kurs gelernt (man beachte den Lokativ, einer von 7 Fällen),
heute schon angewendet.
Und das beste ist, ich träume nicht nur von Ferien, ich werde auch welche machen. Bald schon.
Und es wird Bilder geben, und Sonne. Auf Kreta.
Alles ist grau hier, der Winter will nicht weichen. Alles grau - Häuser, Wetter und, was mich am meisten
stört, Gesichter. Neulich haben wir mit Freunden überlegt, welche Komponente an dieser Triade
am einfachsten zu ändern sei. Einstimmig haben wir uns auf Gesichter geeinigt. Das bleibt aber ein
höchst hypothetisches Konstrukt.
Die Menschen sehen nicht sehr fröhlich aus. Auch auf hartnäckiges Anlächeln und Freundlich
Sein (oh, und mit Einsatz aller spärlichen Sprachkenntnisse) folgt tatsächlich meist - nichts. Der Flirtfaktor
ist sehr niedrig. Ob die Männer hier schon bemerkt haben, dass es Frauen gibt? Da freuen wir uns
doppelt über den kleinen Italiener und den kleinen Peruaner in unserem Studiengang, die uns morgens
mal ein Küsschen auf die Wange drücken und den Tag gleich mit einem Kompliment beginnen.
...Fällt langsam der Exotik-Bonus weg? Aus Erfahrung weiß ich, dass nach der ersten Verzückung
oder zumindest der anfänglichen Toleranz eine Phase kommt, in der nicht mehr alles so einfach
zu akzeptieren ist. Warum fahren zu einer Uni, zu der tausende Studenten gehen (tatsächlich)
nur zwei mal in der Stunde Busse? Warum wird mir überall Kohl nachgeschmissen, aber ein Stück
durchschnittlicher Parmesan kostet 8€? Warum riecht es in jeder Straßenbahn zu jeder Uhrzeit
nach Alkohol? Warum bleiben die Leute nicht stehen und helfen mir, wenn ich sie anspreche?
Warum gibt es für mein Haus kein Schloss, sodass jeder hereinspazieren kann? Warum ist das Wasser
in unserer Dusche nur lauwarm? Warum scheißt der Hund unserer Nachbarn auf unsere Fußmatte?
Bis zum Frühling, der die Komponente Wetter in der Triade ändern wird, werden wir uns mit kollektivem
Galgenhumor bei Laune halten. Ach herrje. Danke, falls ihr das bis zum Schluss gelesen habt.
Morgen Abend, ihr Lieben, ist Party.
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Halbernst des Lebens,
Sinnbereinigt
22.02.12
Love, Life, Work. Work.

Manchmal ist es gar nicht so glamourös, aufregend oder auch nur entspannt, ein Paar zu sein. Manchmal
ist es einfach sehr banal, man unterstützt sich gegenseitig und (er)trägt sich. Man sieht die uncharmantesten
Züge am anderen und, das habt ihr sicher auch schon fest gestellt, sie werden nicht etwa dadurch
charmanter, dass der Geliebte sie hat. Nur die Belohnung, wenn alles durchgestanden ist, ist größer
und die Bestimmung, mit der man durch die unglamourösen Zeiten geht, um wieder schönere
zu erleben. In Arbeit ersticken, austicken; krank und wehleidig sein - irgendwann geht alles vorbei und
dann stellt sich ein ganz friedvolles Gefühl ein.
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Halbernst des Lebens
06.01.12
Vorsätzlich
/
/
/
Viel Glück wünsche ich meinem Leser für 2012.
Sehr viel.
Ich würde es jetzt gerne auch auf polnisch schreiben können, aber das
kann ich noch nicht. Ich kann nur andere Sachen auf polnisch schreiben,
und die würden jetzt alle nur so mittelprächtig passen.
Wenn ich mal die Anzahl meiner Blogposts kritisch reflektiere, fällt auf,
dass 2011 ein ganz ertragreiches Jahr war. 2010 nicht. 2012, das habe
ich im Gefühl, wird bombig.
Der erste Monat vielleicht noch nicht, aber dann wird mein Jahr ganz prickelnd.
Ich werde alle guten Vorsätze, die ich aus vorsorglicher Frustrationsvermeidung
nicht gefasst habe, auf magische Art und Weise schlussendlich doch noch
erfüllen. Ohne es tatsächlich erbittert zu versuchen. Und ich werde ein besserer
Mensch werden, falls ich das noch nicht deutlich gemacht habe.
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Halbernst des Lebens,
Sinnbereinigt
14.12.11
Zonen, Zeiten
Polen ist in der falschen Zeitzone. Es ist in einer Zeitzone mit Frankreich und Deutschland. Nun denke ich über Polen zwar nicht mehr als ein osteuropäisches Land, sondern als ein mittel- bzw. zentraleuropäisches, so wie es die Polen selbst tun (der Osten fängt in Weißrussland und der Ukraine an). Dennoch muss man sich das mal überlegen: Nehmen wir zum Beispiel Brest. Wrocław ist mit Brest zusammen in einer Zeitzone. Brest liegt 1571km Luftlinie westlich von Wrocław. Während bei uns die Sonne um 7.46h aufgeht, geht sie in Brest erst um 9.00h auf. Aber viel schlimmer ist, dass sie bei uns um 15.46h schon wieder untergeht, in Brest aber noch bis um 17.25h scheint. Sie geht hier also genau 99 Minuten oder ca. 1Std. 40Min. früher unter. Das finde ich ziemlich viel. Ich muss auch nicht extra betonen, dass ich als Studentin, deren Veranstaltungen nie vor 14h anfangen, nicht an einem Aufstehen um 7.46h interessiert bin.
Ich würde sofort eine Petition unterschreiben, die Polen in eine Zeitzone weiter östlich verschieben will. Dann wäre ich in einer Zeitzone mit Weißrussland, die sich Eastern European Time (EET) nennt. Dann könnte ich mit dem Sonnenaufgang um 9.46h aufstehen und den Tag bis um 17.46h genießen, so wie die Leute in Brest das tun. Aber vielleicht sind Zeitzonen auch politisch motiviert und Polen möchte sich nicht mehr als nötig nach Osten orientieren.
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Inertia
12.10.11
Change is the ultimate nature of things. Change is permanent.

Ich wohne in einer komplett eingerichteten Wohnung. Zur Hälfte sind es meine Sachen, zur Hälfte gehören sie den Besitzern, die die Wohnung 1989 verlassen haben. Somit besitze ich für eine Studentin eine ungewöhnlich große Geschirrsammlung. Zu jedem Anlass, besonders zum Trinken geringer Mengen Hochprozentigem, verfüge ich über das adäquate Trinkgefäß. Ich habe aber auch Kuchenplatten, Eierschneider, Pökelhölzer, Schaumlöffel, etc.
Das neue Leben braucht viel Energie. Deshalb futtere ich im Moment sehr viel Brot mit Schokoladenaufstrichen, da ich ständig das Gefühl habe, schnell verfügbare Energie zu brauchen, um alle Speicher aufzufüllen, die sich permanent entleeren. Jeden Tag etwas Neues, Spannendes, oder Nerviges, Lästiges.
Ein Alltag zeichnet sich noch nicht ab. Irgendwann wird jeder einzelne Wochentag seinen Ablauf, sein Profil haben; ich werde die Wege, Orte und Kombination aus Leuten auswendig kennen, aus denen jeder Tag besteht. Das nennt man wohl Routine oder Alltag und ich finde es ganz bemerkenswert, dass ich mich gerade nach so etwas sehne. Irgendwann werde ich diesen Rhythmus wahrscheinlich gefunden haben, aber im Moment wird hauptsächlich improvisiert.
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Halbernst des Lebens
23.09.11
Speak Easy
Kleine Geschäfte, in denen man spezielle Dinge kaufen kann, gibt es hier wie Sand am Meer. Der Einzelhandel blüht, das finde ich sehr schön. Es ist ein kaum gekanntes Lebensgefühl, keinen Großeinkauf zu machen, sondern eher öfter in Obst- und Gemüsegeschäfte zu gehen, in Bäckereien und Konditoreien, in Spätis, in Schreibwarenläden und in verwegene sklep monopolowy, die fast ausschließlich Alkohol verkaufen, wie der Name erahnen lässt. Subtilerweise steht dann meist groß auf der Fassade dieser Geschäfte: „Alkohol“. Damit gleich klar ist, wie der Hase läuft. Nicht etwa Bier, Wein, Spirituosen, nein – Alkohol kann man hier kaufen. Es gibt auch ein solches Monopolgeschäft mit folgendem Leuchtschriftband: „Wódka :)“
Alkohol darf man in Polen auf der Straße allerdings gar nicht trinken. Während der Orientation Days in der Uni sind wir in den Genuss einer unfreiwillig komödiantischen Performance von einem polnischen Polizeibeamten gekommen. Er hat uns nicht nur seine Handynummer für Notfälle gegeben und das polnische Alkoholverbot in der Öffentlichkeit näher gebracht, sondern setzt sich auch 24h/7 gegen Diskriminierung und Rassismus ein („yes, discrimination!“). Jetzt kann ich mich immer vertraulich an meinem persönlichen Polizisten Herrn Falkewiecz wenden.
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Halbernst des Lebens
17.09.11
Sch-Laute in allen Farben des Regenbogens
Die polnische Sprache macht es gerade Anfängern nicht leicht, denn schwierige Wörter sind gleichzeitig die alltäglichen Basics: Hallo und Sorry.
Um sich zu begrüßen, muss „cześć“ gesagt werden. Angesichts dieser Herausforderung kann man verstehen, wenn jemand sozialscheu wird. Will man sich nur ganz kurz entschuldigen, sagt man „przepraszam“. Allein der Aufwand, der für die Aussprache dieses Wortes betrieben werden muss, zeugt schon davon, wie leid es einem tatsächlich tut.
Ansonsten steigern sich meine Polnisch-Kenntnisse exponentiell, wie ich schon bemerken durfte. Zunächst habe ich mir den Zahlenraum von 0-10 erschlossen, dann bis 100 und heute bin ich bis 1000 gekommen. Soviel darf schon mal verraten werden: 999 heißt dziewięćset diewięćdziesiąt dziewięć. Aber zum Glück sind Supermarktpreise ja meistens rund. Französische Nasallaute, italienisches gerolltes R oder englisches TH muten gegen Polnisch sehr niedlich an.
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Sinnbereinigt
07.05.11
Food
Mir ist aufgefallen, dass ich noch gar nicht übers Essen geschrieben habe, obwohl ich das doch eigentlich gerne tue und auch gerne vorbereite. Ich könnte sogar mal eine neue Rubrik für das Essen erstellen. Oder degeneriert mein Blog dann zu einem nervigen Food-Blog? Ich frage mich ohnehin, wieso die meisten Blogs sich immerzu um schönes Essen und schöne Dinge drehen. Wirklich, die meisten Blogs von irgendwelchen Designern drehen sich ausschließlich um Ästhetisches, Köstliches und um Bilder ihrer eigenen Füße (in ästhetischen Schuhen auf ästhetischen Böden). Ich möchte hier keine Bilder von Designerfüßen verlinken, da ich niemanden diskreditieren möchte. Und schließlich schaue ich mir das auch gerne an, schön ist es ja, aber es drängt sich auch der Verdacht auf, dass "die Freude an den kleinen Dingen des Lebens" bei den künstlerisch ambitionierten Bloggern zur großen Staatsaffäre geworden ist. Mh, und zu guter Letzt meine beiden Food-Favoriten: Rezepte für die, die es natürlich mögen und ein Video für die, die gerne Teig kneten und Brot backen oder gerne anderen dabei zuschauen.
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Wohl+Sein
15.04.11
Best of Mietvertrag
Ich habe ja bereits angemerkt, dass safety hier The Big Issue ist. Deswegen möchte mal aus meinem 17-seitigen Mietvertrag zitieren, der nichts dem Zufall überlässt und unfreiwillig komisch ist. Es finden sich dort Regeln für alle Bereiche des Lebens und Mietens.
Tipps zum Energiesparen in den Tropen:
Und natürlich: Drogen und "Parties in Anführungszeichen":
Ein klein bisschen lustig ist das schon, so viele Anforderungen, um in einer (umgebauten) Garage leben zu dürfen. Aber auch auf kleinem Raum will anständig gelebt werden und anständig, das sind wir.
Tipps zum Energiesparen in den Tropen:
"Where a fixed rate is agreed the tenant nevertheless agrees to be frugil and not waste energy by e.g. not adjusting thermostactic radiator valves to the optimum position creating the most comfortable temperature for each area instead of e.g. having the whole house set at an unnecessary tropical level."Wie man sich verhalten sollte, wenn der Landlord potentielle neue Mieter zur Besichtigung einlädt, zum Beispiel der zu akzeptierende und nicht mehr zu akzeptierende Grad der Sauberkeit zum Zeitpunkt der Besichtigung:
"Ultracleanliness is not expected e.g. an isolated sink full of dirty dishes some might reasonably expect. A number of factors combine to deter prospective viewers, e.g. dirty: floors, toilets, sinks, hobs, hoods, ovens, fridges, cluttered kitchen worktops, the smell of damp washing (unreasonable where a dryer is provided), the inability to walk across floors without risk of stepping upon possessions and general clutter."Zum Glück riecht unser Kühlschrank immer nach Bergblümchen. ...Aber auch wie hübsch man selbst bei der Besichtigung dreinschaut, ist vertraglich festgelegt:
"Not allow a lack of personal hygiene or sensitivity to others to adversely affect the comfort and wellbeing of other members or prospective members of the household or visitors thereto."Und viele generelle Anforderungen an das Verhalten des Mieters:
"Will place any waste food matter and tin lids within tied up binliners to minimise smell within the Grey coloured Landfil wheelie bin the lid of which must not be allowed to remain open to prevent vermin getting in."Zum Glück riecht auch unser Grey coloured Landfil wheelie bin immer nach Bergblümchen. ...Stören sollte man seine Mitbewohner keinesfalls:
"Such nuisance will include, e.g. locking household items in your room – e.g. vaccuum cleaner; repeated requests to borrow money or possessions; intimidation; bullying of tenants by either male or female; domination of space or speech; uninvited sexal advances; sexual harrasement; threatening words or actions; offensive language; statements or words likely to intimidate or cause fear of rape or violence; fear for personal safety; uninvited or unwanted noise which can be heard by others behind a closed door."Domination of space ist mitunter schwierig zu unterbinden, wenn man sich in einem Raum kaum um die eigene Achse drehen kann. Da kommt man sich unfreiwillig schon mal recht dominant vor. Ich gebe mir trotz allem große Mühe, auf 10qm sehr unauffällig zu wirken, ja regelrecht zu verschwinden.
Und natürlich: Drogen und "Parties in Anführungszeichen":
"Not become unacceptably disorderly or intoxicated by any form of alcohol, drugs or chemical whilst in the household, nor enter the property in such a condition, nor permit visitors nor encourage others to do so, nor be in any way connected with such activities. Not take drugs other than prescribed by doctors for the duration of any tenancy or residency. Written permission from the landlord is required before inviting more than ten individuals to a ‘party’ at the accommodation."Und zu guter Letzt, und das ist echt der Kracher, finden sich im Mietvertrag tiefgründige Überlegungen zu Gefahrenpotentialen von Haustieren:
"Cats and rabbits would not be allowed due to inter alia potential damage, allergies and similarly dogs but a guide dog would be considered, likewise a goldfish as it is unlikely to cause damage. Each request would be considered relative to the perceived threat or risk presented."
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Abroad,
Halbernst des Lebens,
Sinnbereinigt,
Zitat
20.03.11
Sommer (hoffentlich nicht)
Es ist ungefähr höchstens 10°C warm, die Sonne scheint blass hinter ein paar Wolkenschleiern hervor und die Engländer tragen Flipflops, Sonnenbrillen und auch sonst leichte Bekleidung. Das beunruhigt mich. Fühlen die etwa latent schon den Sommer? Ist das etwa nicht mehr steigerungsfähig?
Es geht hier auf meinem Blog im Moment meistens um warm und kalt und "die Engländer". Und da das so gute Themen sind (besser, als wenn ich hier einen Aufsatz über Postdemokratie schreiben würde, was ich aber eigentlich gerade tun sollte), werden noch zwei sehr wichtige Kapitel über England zu schreiben sein, safety und politeness. Aber dazu später!
Es geht hier auf meinem Blog im Moment meistens um warm und kalt und "die Engländer". Und da das so gute Themen sind (besser, als wenn ich hier einen Aufsatz über Postdemokratie schreiben würde, was ich aber eigentlich gerade tun sollte), werden noch zwei sehr wichtige Kapitel über England zu schreiben sein, safety und politeness. Aber dazu später!
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Halbernst des Lebens,
Sinnbereinigt
22.02.11
Alles selber machen
Das Leben ist schwieriger geworden. Alles muss man selber machen. Mir fällt es immer wieder auf und dann wäre ich gerne so diszipliniert wie Kant (ja, der Vergleich darf jetzt ruhig mal herhalten). Er dachte, die wahre Freiheit des Menschen läge in der Beherrschung seiner Emotionen/Passionen, im moderneren Sinne könnte man vielleicht Laster sagen. So lautet jedenfalls meine eigene Interpretation. Kant hatte einen ganz regelmäßigen Tagesablauf und wenn er Husten hatte, verkniff er sich das Husten, um sich zu beweisen, dass seine Willenskraft stärker als seine Impulse war (und dass seine Moraltheorie auch wirklich stimmte). Das ist natürlich albern von ihm gewesen, aber mir geht es um den Grundgedanken.
Wenn die Unis zum Beispiel am Eingang der Bibliotheken jemanden Autoritäres postieren würden, der jeden Tag kontrolliert, wann der Student das Gebäude betritt und es verlässt, und dann womöglich noch mit Sanktionen drohen würde, dann würde ich keine Zeit verlieren! Wenn alle zehn Minuten mein Rechner schwarz werden würde und mich fragen würde: Willst du jetzt wirklich noch das fünfzehnte Profil von dem Ex der Schwester deiner Grundschulfreundin angucken? (ja) (nein), dann würde ich vermutlich recht zügig peinlich berührt auf (nein) klicken.
Aber diese Instanzen gibt es nicht und es ist sehr schwer, sie in sich selbst zu errichten. Ich kann das morgendliche "Aus-dem-nochmal-Umdrehen-ist-nochmal-ein-Tiefschlaf-geworden"-Gefühl beim (Nicht-)Aufstehen auf niemanden schieben, außer auf mich selbst, was dieses Gefühl dann noch schlimmer macht. Das ist der Preis der Freiheit, die wir haben und dadurch sehr schnell nicht mehr haben. Vielleicht bleiben Freiheiten nur Freiheiten, wenn man sie für sich selbst wieder einschränkt.
Wenn die Unis zum Beispiel am Eingang der Bibliotheken jemanden Autoritäres postieren würden, der jeden Tag kontrolliert, wann der Student das Gebäude betritt und es verlässt, und dann womöglich noch mit Sanktionen drohen würde, dann würde ich keine Zeit verlieren! Wenn alle zehn Minuten mein Rechner schwarz werden würde und mich fragen würde: Willst du jetzt wirklich noch das fünfzehnte Profil von dem Ex der Schwester deiner Grundschulfreundin angucken? (ja) (nein), dann würde ich vermutlich recht zügig peinlich berührt auf (nein) klicken.
Aber diese Instanzen gibt es nicht und es ist sehr schwer, sie in sich selbst zu errichten. Ich kann das morgendliche "Aus-dem-nochmal-Umdrehen-ist-nochmal-ein-Tiefschlaf-geworden"-Gefühl beim (Nicht-)Aufstehen auf niemanden schieben, außer auf mich selbst, was dieses Gefühl dann noch schlimmer macht. Das ist der Preis der Freiheit, die wir haben und dadurch sehr schnell nicht mehr haben. Vielleicht bleiben Freiheiten nur Freiheiten, wenn man sie für sich selbst wieder einschränkt.
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Halbernst des Lebens,
Inertia
14.01.11
Blick in die Vergangenheit, liebevoll und ironisch.
Langsam beginne ich zu verdauen, was ich da gerade gemacht und abgeschlossen habe, ein Studium in Weimar. Dieser Ort ist zwiespältig: Es ist schön da, kuschelig und klein, kreativ und experimentell (wie der Werbeslogan der Uni verspricht – und manchmal sogar hält), dabei auch noch günstig. Jeder Student kann sich einen Altbau mit Dielen und Stuck leisten und sich bohémienlike von dem Betrachten schöner Dinge ernähren. Aber es ist auch isoliert, mikrokosmisch und bisweilen gar nicht innovativ.
Es sei denn, Innovation bedeutet, alles klein zu schreiben, auch substantive und namen, und dazwischen Punkte, gerade Striche oder Slashs einzufügen, sodass die Bedeutung durch diese typographischen Kniffe vermeintlich multipliziert wird. Europa erinnert/sich. Hand|Schrift. institut für medienforschung. Dabei erfüllt alles, was in Pink gedruckt ist, hohe Designansprüche zu vollster Zufriedenheit. Was der Telekom nicht gelungen ist (ihr Magenta rechtlich zu schützen), scheint Weimar ein Kinderspiel.
Wenn ich am Bahnhof ankam, war ich nach kurzer Zeit wieder in die Welt Weimar eingetaucht, hatte die Breaking News schon auf dem Nachhauseweg aufgeschnappt und erfolgreich vergessen, wie klein die große Weimarer Medienwelt von außen doch scheint. Ich ging vom Bahnhof hinunter in die Stadt (versank, sozusagen – auch das Gefälle zwischen Bahnhof aka Verbindung zur Außenwelt und Stadt muss man metaphorisch sehen) und las auf dem Weg, was auf einem Plakat proklamiert wurde: „Berlin war gestern.“ Was dann heute ist, stellt sich sogleich nur noch als rhetorische Frage. Oder ist Weimar vielleicht schon übermorgen?
Als besonders schwierig erweist es sich, in Weimar gute Laune auszustrahlen. Man könnte dabei ertappt werden, wie man in einem Moment des Sich-Gehen-Lassens hinter der Hornbrille hervorkriecht. Würde man vielleicht doch lieber mal was Uncooles machen? NB: Ganz Weimar is watching you. Und wenn es mal nicht hinschaut, fühlt es sich doch so an, als beobachte es dich noch immer. Ein Panoptikum!
Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Niemand sollte sich ein Studium in Weimar entgehen lassen, das meine ich wirklich ernst. Komme als graue Maus vom Land und lass Weimar etwas ganz Erstaunliches aus dir machen! Vieles wird in Weimar produziert, das ich gerne angeschaut habe, vorausgesetzt, die nur in geringem Maße aufschlussreiche Interpretation des Schöpfers à la „sieht halt geil aus“ wird ein wenig ignoriert. Und so komme ich zum Schluss mit dem nicht ganz so glamourösen Fazit, das vieles in/aus Weimar „geil, aber unwahr beziehungsweise egal“ ist.* Und trotz allem ist zu bedenken, dass ersteres niemanden ganz unberührt lässt.
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Halbernst des Lebens
07.01.10
2010 ist da und ich bald woanders








Der Winter ist so schön, alles ist sehr weiß. Spaziergänge nachts und tags haben sehr viel Charme, der Garten und der Schwarzwald auch.
Übermorgen geht es nach Berlin, für zwei Monate. Lyon liegt hinter mir, jetzt fängt schon etwas Neues an. Und danach noch etwas Neues und danach auch, aber lieber nicht daran denken. Mir schwirrt der Kopf, soviel Dinge, die ich machen könnte, sollte, wollte.
Ich bin verwirrend unnostalgisch, dass eineinhalb Jahre in Frankreich vorbei sind. Bis auf eine Metrokarte, die ich noch in meiner Manteltasche gelassen habe, obwohl ich sie hätte wegschmeißen können. Vielleicht kommt das später, die Nostalgie.
Es hat seine eigene Ästhetik, etwas hinter sich zu lassen, die Wohnung leer und sauber hinterlassen und nicht mehr wiederkommen. Einfach mit dem Schritt in den Zug einen Lebensabschnitt zurücklassen. Und einen neuen anfangen. Das ist vielleicht das Schöne: ein Ende ist ein Anfang von etwas anderem. Der Anfang von einem neuen Ende, zum Beispiel.
Ach, alles zu kompliziert. Jetzt muss ich erstmal überlegen, mit welchen Textilien ich versuchen werde, dem sibirischen Kontinentalwind in Berlin zu trotzen.
Übermorgen geht es nach Berlin, für zwei Monate. Lyon liegt hinter mir, jetzt fängt schon etwas Neues an. Und danach noch etwas Neues und danach auch, aber lieber nicht daran denken. Mir schwirrt der Kopf, soviel Dinge, die ich machen könnte, sollte, wollte.
Ich bin verwirrend unnostalgisch, dass eineinhalb Jahre in Frankreich vorbei sind. Bis auf eine Metrokarte, die ich noch in meiner Manteltasche gelassen habe, obwohl ich sie hätte wegschmeißen können. Vielleicht kommt das später, die Nostalgie.
Es hat seine eigene Ästhetik, etwas hinter sich zu lassen, die Wohnung leer und sauber hinterlassen und nicht mehr wiederkommen. Einfach mit dem Schritt in den Zug einen Lebensabschnitt zurücklassen. Und einen neuen anfangen. Das ist vielleicht das Schöne: ein Ende ist ein Anfang von etwas anderem. Der Anfang von einem neuen Ende, zum Beispiel.
Ach, alles zu kompliziert. Jetzt muss ich erstmal überlegen, mit welchen Textilien ich versuchen werde, dem sibirischen Kontinentalwind in Berlin zu trotzen.
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Halbernst des Lebens,
Nicht urban,
Pläne
15.11.09




Voilà, nun bin ich aus dem Banner in den Post gefallen. (Selbstporträt ohne Gesicht).
Nach meiner afrikanischen Wasserprojektwoche bin ich total erledigt. Es war so schön, das alltägliche Leben stand mal still, alles (Unangenehme) war weit weg. Die Straßenbahn T2 Richtung Uni wurde nicht betreten, der Computer nicht länger als 10 Minuten alle 2 Tage angemacht und ich musste dank Vollverpflegung auch nicht einkaufen. Also jetzt versuche ich mich auf den Alltag einzustellen, Verpflegung und Verpflichtungen wieder in die Hand zu nehmen.
In absehbarer Zeit falle ich ins Bett, nach einer wunderbaren - glücklichen, si j'ose dire - Woche mit tollen Menschen und Erlebnissen, die sich schon zu Erinnerungen formen, die in mir nachwirken.
Halten wir tapfer dem Montag stand!
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Afrika,
Blütezeit,
Halbernst des Lebens
02.11.09


Kleine Deutschlandtour beendet.
Herbstliche Schwarzwaldluft mit Sonne in Freiburg
Kalte Luft mit Kohleduft in Weimar (dort heizt man noch so!, schwarze Flecken vor den Kellerfenstern)
Weimar - - Lyon
Die beiden Orte meines Studiums.
Die ostdeutsche Kleinstadt und die französische Großstadt.
Wie oft haben uns Für und Wider der beiden Städte, Unis, Systeme, Methoden, Mentalitäten beschäftigt. Ich scheue mich das zu bewerten (wäre ich in meinem Fach ja eine Kulturchauvinistin), aber natürlich tue ich es doch.
Fazit? Jeder Standort hat seine (Be-) Stimmung.
Standort|be|stimmung:
Stimmung
-hach, alles anstrengend. Schleppend, zäh.
Das Ende im Blick, aber noch nicht im Gefühl.
Standort
Lyon. Und viel anderswo. Ich kenne nun alle erdenklichen Positionen um es sich auf einem Zugsitz bequem zu machen und die, die man vermeiden sollte, alle Widrigkeiten des Zugfahrens, Streik, Verspätung, Bahnhofswechsel, Fahrkartenstempel, Durchsagen. Im Thalys viersprachige Ansagen, in Deutschland zweisprachig (das Bahn-Englisch: Wissen die eigentlich um den Kult ihrer Ansagen?), in der Schweiz zwei- bis dreisprachig. In Frankreich französisch, wie es sich gehört.
Nächster Standort
Berlin. Kurz vor den Ferien eine Praktikumszusage. Zwei Monate Hauptstadtluft. Wie die wohl sein wird? Klirrend kalt?
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Halbernst des Lebens,
Pläne,
Reiseerlebnisse
07.10.09


Bespiegelung im Gartenteich
Nachdenken über meine Situation:
Fakt ist, dass mir mein Studium nicht gefällt. Meine Profs kopieren ihren Unterricht aus dem Internet und raten mir, Wikipedia als seriöse und wissenschaftliche Quelle in meinem Referat einzusetzen. Die Enttäuschung über die französische Uni, die Frustration, sind an meinen Unitagen von Dienstag bis Donnerstag nicht zu verleugnen.
Fakt ist auch, dass ich diesen Quatsch nur noch ungefähr 7 Wochen mitmachen muss.
Und schließlich ist auch Fakt, dass ich ein deutsch-französisches Studium mache und mir die deutsche Hälfte sehr gefiel. Und dass ich den deutsch-französischen Abschluss inklusive deutsch-französischer Bachelorarbeit gerne machen würde. Sollte ich also wegen einer unzufriedenstellenden Hälfte aufhören? Nein, vermutlich nicht. Aber dieses kleine große B mol*, wie die Franzosen sagen, kostet mich sehr viel Nerven.
Nun denn, da passt wohl ein melancholisches Herbstlied zu. Auch wenn es noch gar nicht kalt werden mag.
*Wermutstropfen.
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Halbernst des Lebens
16.09.09


Dies ist ein afrikanisches Gewinnspiel. In den Kronkorken von Cocacolaflaschen kann man ein Motorrad gewinnen. Meistens aber gewinnt man die Erkenntnis: Prends la vie du bon côté!/Nimm das Leben von der guten Seite! Wie die Fliege. Von der Breitseite.
Ich habe heute die Erkenntnis gewonnen, dass meine kalte unfreundliche Uni (die um 8h früh anfängt) sicher kein Hauptgewinn ist, aber eine Niete sieht anders aus. Ab und zu muss ich mir ein afrikanisches Kronkorken-Brrr ins eigene Ohr flüstern:
Brrr... Bron courage, und nicht vergessen: Bron la vie du bon côté.
Das wünsche ich auch meinen acht Kommilitonen.
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Afrika,
Halbernst des Lebens
14.09.09



Campusimpressionen
Heute war Schulanfang. Im Gegensatz zur Grundschule habe ich jedoch Freitag frei. In meiner Schultüte war ein Fotokurs, über den ich mich sehr gefreut habe. Ich habe so viel über diese Uni geschimpft und jetzt bietet sie mir doch die Möglichkeit, einen Fotokurs zu machen und im Labor zu arbeiten, analoge Schwarz-Weiß-Fotografie.
Meine Uni befindet sich in Bron. Dort würde ich nie hinfahren, wenn meine Uni nicht dort wäre. 50 Minuten Fahrt in die Banlieue 2x mal am Tag. Ich habe es nicht vermisst.
Rock'n'Roll sieht anders aus, aber ich bin ganz zufrieden.
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