| Aene Gespinst |






aene gespinst.





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08.12.12

Spät

Großmütig habe ich angekündigt, bald Bilder von meinem Sommerurlaub zu zeigen. 
Die Bilder sind da, aber der Sommer nicht mehr. 
Und obwohl mein Blog sehr anachronistisch verläuft, bringe ich es jetzt doch nicht übers Herz, 
euch am Vorabend des zweiten Advents Sommerbilder aufzutischen. Von daher können alle, 
die ein paar Sonnenstrahlen gebrauchen können, hier klicken, die anderen genießen wohl besser 
den Schnee! Bald ist Weihnachten!

14.06.12

Aufstand

"Ich werde nie wieder nichts tun", sagte das Känguru traurig.
"Nie wieder?", frage ich.
"Sie lassen einen nicht", sagte das Känguru.
.
(als es von dem Ministerium für Produktivität abgeholt wird, 
Anm.: aene gespinst).
- Marc-Uwe Kling, Das Känguru-Manifest
.
Der rebellischste Akt heutzutage: Nichts tun. Gar nicht so einfach. 
Ich bereite mich auf eine Rebellion vor diesen Sommer. 

02.05.12

Und plötzlich Sommer.


Blick aus dem Fenster. Von meinem Schreibtisch.
Alle sind erwacht und leben wieder.
Das Hoch über Osteuropa!

13.03.12

Grau / Szary




Marzę o wakacjach. 
//
Ich träume von den Ferien. 
//

Neulich erst im Polnisch Kurs gelernt (man beachte den Lokativ, einer von 7 Fällen), 
heute schon angewendet. 

Und das beste ist, ich träume nicht nur von Ferien, ich werde auch welche machen. Bald schon. 
Und es wird Bilder geben, und Sonne. Auf Kreta. 

Alles ist grau hier, der Winter will nicht weichen. Alles grau - Häuser, Wetter und, was mich am meisten 
stört, Gesichter. Neulich haben wir mit Freunden überlegt, welche Komponente an dieser Triade 
am einfachsten zu ändern sei. Einstimmig haben wir uns auf Gesichter geeinigt. Das bleibt aber ein 
höchst hypothetisches Konstrukt.


Die Menschen sehen nicht sehr fröhlich aus. Auch auf hartnäckiges Anlächeln und Freundlich 
Sein (oh, und mit Einsatz aller spärlichen Sprachkenntnisse) folgt tatsächlich meist - nichts. Der Flirtfaktor 
ist sehr niedrig. Ob die Männer hier schon bemerkt haben, dass es Frauen gibt? Da freuen wir uns 
doppelt über den kleinen Italiener und den kleinen Peruaner in unserem Studiengang, die uns morgens 
mal ein Küsschen auf die Wange drücken und den Tag gleich mit einem Kompliment beginnen.  
...Fällt langsam der Exotik-Bonus weg? Aus Erfahrung weiß ich, dass nach der ersten Verzückung 
oder zumindest der anfänglichen Toleranz eine Phase kommt, in der nicht mehr alles so einfach 
zu akzeptieren ist. Warum fahren zu einer Uni, zu der tausende Studenten gehen (tatsächlich) 
nur zwei mal in der Stunde Busse? Warum wird mir überall Kohl nachgeschmissen, aber ein Stück 
durchschnittlicher Parmesan kostet 8€? Warum riecht es in jeder Straßenbahn zu jeder Uhrzeit 
nach Alkohol? Warum bleiben die Leute nicht stehen und helfen mir, wenn ich sie anspreche? 
Warum gibt es für mein Haus kein Schloss, sodass jeder hereinspazieren kann? Warum ist das Wasser 
in unserer Dusche nur lauwarm? Warum scheißt der Hund unserer Nachbarn auf unsere Fußmatte?

Bis zum Frühling, der die Komponente Wetter in der Triade ändern wird, werden wir uns mit kollektivem 
Galgenhumor bei Laune halten. Ach herrje. Danke, falls ihr das bis zum Schluss gelesen habt. 
Morgen Abend, ihr Lieben, ist Party. 

24.02.12

Kalenderwoche #8

Jetzt habe ich mich daran erinnert, dass ich früher manchmal Kalenderwochen-Posts gemacht habe. 
Sie haben dazu gedient, zufällig gefundene oder gedachte Dinge festzuhalten.

// Heute habe ich sehr zufällig gedacht, dass die Sonne öfter scheinen könnte.

// Ein Lied. Ja, Mädels, ich frage mich auch, wer der heiße Drummer ist.

// Café Monsieur. Das ist mein neues Lieblingscafé in Wrocław und der Ort, an dem ich ganz konzentriert 
Zeitung lesen kann. Ich konnte beobachten, wie frisches Obst und Kräuter geliefert wurden; und man 
kann vom Tresen aus in die Küche gucken, die offen ist. Der Koch fragt immer persönlich nach, ob es 
geschmeckt hat (und wie). Das Logo des Cafés ist ein Schnauzer, eine moustache. Da in dem gleichen 
Haus gute Freunde von mir wohnen, haben wir gestern eine Moustache-Party veranstaltet.  

// Ich weiß gar nicht, ob ihr es schon bemerkt habt: ich habe jetzt eine About-Page. Vielleicht keine 
About-Page im üblichen Sinne, aber sie dient dazu, meine merkwürdigen Namenskreationen zu erklären.  

// Diese Woche war ich krank geschrieben. Über diese zugegebenermaßen sehr witzige Wortfolge 
hat meine Französischlehrerin in der 9. Klasse mal lange philosophiert, was mich besonders beeindruckt hat. 
Sie hat einen Machtakt darin gesehen, dass jemand daherkommen kann und einen anderen Menschen 
krank schreiben kann. 

06.01.12

Vorsätzlich

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/
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Viel Glück wünsche ich meinem Leser für 2012. 
Sehr viel. 
Ich würde es jetzt gerne auch auf polnisch schreiben können, aber das 
kann ich noch nicht. Ich kann nur andere Sachen auf polnisch schreiben, 
und die würden jetzt alle nur so mittelprächtig passen. 
Wenn ich mal die Anzahl meiner Blogposts kritisch reflektiere, fällt auf, 
dass 2011 ein ganz ertragreiches Jahr war. 2010 nicht. 2012, das habe 
ich im Gefühl, wird bombig. 

Der erste Monat vielleicht noch nicht, aber dann wird mein Jahr ganz prickelnd. 
Ich werde alle guten Vorsätze, die ich aus vorsorglicher Frustrationsvermeidung 
nicht gefasst habe, auf magische Art und Weise schlussendlich doch noch 
erfüllen. Ohne es tatsächlich erbittert zu versuchen. Und ich werde ein besserer 
Mensch werden, falls ich das noch nicht deutlich gemacht habe. 

15.11.11

Das Heizkissen ist super, nur heizt es nicht.

Zugegeben, wenn man sich auf die Suche nach einem derart uncoolen Produkt wie einem Heizkissen macht, ist man selber schuld. Oder ganz schön verzweifelt. Beides trifft auf mich zu. Man muss sich auf das schlimmste gefasst machen. Aber so schlimm? Vielleicht gibt es einen hohen Übereinstimmungsgrad zwischen ich-brauche-Wärme und ich-brauche-ein-bisschen-Zuwendung. Oder zwischen ich-brauche-Wärme und ich-habe-zu-viel-Zeit-Kundenmeinungen-zu-schreiben. 

Liebe Netzgemeinde, das Leben ist hart:

"Dies ist kein Kissen, sondern ein Brett. Dazu noch eins aus billigstem Plastik, das ganz gemeine Geräusche macht, wenn man es bewegt. Es sich um Nacken und Schultern zu legen, gelingt nicht, da es, wie erwähnt, bretthart ist. Ganz besonders gut hat mir der "Überhitzungsschutz" gefallen. Ein Gerät, das gar nicht erst funktioniert, kann auch nicht überhitzen. Um das Gerät in Hals-Nacken-Schulter-Nähe zu bekommen, könnte man erst das Heizbrett anlegen und dann das Kabel rumwickeln. Nicht zu fest zuziehen, sonst würgt es! Der Preis ist äußerst günstig, aber für ein defektes Heizbrett doch zu teuer." 

"Habe gelesen, dass Heizkissen kaum heiss wird,- genau das habe für meine halbnagte Katze aber gesucht. Das ist war, heiss wird es nie. Die Katze ist glücklich: das Kissen gibt sehr regelmessiges und sicheres Temperatur. Empfelenswert für nagte Katzen."  

"Der Versand ging super schnell. Was mir dabei nicht gefallen hat, ist dass es unverklebt versand wurde... Jeder hätte sich an meinem Päckchen bedienen können."

"Laut Anleitung darf man sich auf dieses Kissen nicht drauflegen und im Bett darf man es auch nicht benutzen. Ganz im Gegensatz übrigens zu dem Bild auf der Verpackung... Bei Rückenschmerzen will man sich ja nun eigentlich mal gern auf ein Heizkissen, vielleicht sogar auf eine Matratze legen. Habe es zurückgeschickt."

"...daher rief ich beim Verkäufer an, um zu fragen, wie genau ich den Artikel wohin zurück schicken könnte... Ich wurde von dem guten Mann angeblöfft, als hätte ich ihn oder seine Mutter persönlich beleidigt...Meine Wärmeempfinden sei wohl völlig gestört, ich müsste mal zum Arzt gehen... Und das in einem völlig humorlosen Ton. Irgendwann war's mir zu blöd und ich habe aufgelegt. Lieber wollte ich dieses leider nutzlose Kissen behalten, als mich länger mit diesem Kerl abgeben..." 

"Dieses Heizkissen ist leicht zu bedienen. Es wird schnell warm, erreicht nur nicht die von mir erwünschte Temperatur. Ansonsten bin ich zufrieden."

"Ich bin eine erfahrene Heizkissenuserin. Ich bin von meinem neuen Heizkissen echt begeistert."     

Das sind Geschichten, die das Leben schreibt. Welches Heizkissen soll ich denn nun, als weniger gewiefte Heizkissenconnaisseurin, wählen? 

09.11.11

ae proudly presents


Erika Naumann ist eine Schreibmaschine, die nun in meinem Besitz ist. Sie ist wunderschön, sehr alt und natürlich noch funktionstüchtig. (Die Polen bringen schließlich alles wieder zum Laufen).  
Ich weiß nicht genau, ob das mein Modell ist, aber ungefähr so dürft ihr euch sie vorstellen.
Man braucht ganz schön Power, um die Tasten herunterzudrücken, bis die Buchstaben dann krachend auf dem Papier landen. Wenn man nicht fest genug drückt, wird der Buchstabe nicht so schön schwarz. 
Hach, es verspricht ein großer Spaß zu werden. 

17.09.11

Sch-Laute in allen Farben des Regenbogens

Die polnische Sprache macht es gerade Anfängern nicht leicht, denn schwierige Wörter sind gleichzeitig die alltäglichen Basics: Hallo und Sorry.
Um sich zu begrüßen, muss „cześć“ gesagt werden. Angesichts dieser Herausforderung kann man verstehen, wenn jemand sozialscheu wird. Will man sich nur ganz kurz entschuldigen, sagt man „przepraszam“. Allein der Aufwand, der für die Aussprache dieses Wortes betrieben werden muss, zeugt schon davon, wie leid es einem tatsächlich tut.
Ansonsten steigern sich meine Polnisch-Kenntnisse exponentiell, wie ich schon bemerken durfte. Zunächst habe ich mir den Zahlenraum von 0-10 erschlossen, dann bis 100 und heute bin ich bis 1000 gekommen. Soviel darf schon mal verraten werden: 999 heißt dziewięćset diewięćdziesiąt dziewięć. Aber zum Glück sind Supermarktpreise ja meistens rund. Französische Nasallaute, italienisches gerolltes R oder englisches TH muten gegen Polnisch sehr niedlich an. 

16.09.11

Hörgerät rückwärts

Unverfroren wende ich meine in einer Woche erworbenen, zugegebenermaßen noch ziemlich rudimentären Polnisch-Kenntnisse an. Die Aussprache der polnischen Wörter bringt mich zwar regelmäßig ins Schwitzen, ich habe aber bisher immer alles bekommen, was ich wollte: Walnüsse, Himbeeren, Kuchen, Kekse (einzeln gekauft!), Ohropax. Für letzteres musste ich mich regelrecht durchfragen. „Durchfragen“ mutet großspurig an, wenn man bedenkt, dass ich eigentlich noch nicht so richtig fragen kann.
Wie ich dank meiner rasant fortschreitenden Kenntnis der polnischen Sprache nachträglich festgestellt habe, habe ich in drei Drogerien und in einer Apotheke gefragt: „Was sind Ohropax?“ und nicht, wo sie sind. Nun ja, beides ist eine berechtigte Frage.
Was sind Ohropax? Die einzigartige Möglichkeit, nicht um 7 Uhr morgens in den Genuss der Housemusic meiner Nachbarn zu kommen.
Wo sind sie? Tief in meinem Gehörgang.

10.05.11

Brief


Liebe Konzentration,

vielen Dank für deinen Besuch, auch wenn er schon etwas länger her ist. Wenn du demnächst mal wieder vorbeikommen möchtest, würde ich mich sehr freuen. Ich habe immer Zeit für dich und du darfst auch gerne länger bleiben.

Deine Aene 

06.05.11

Pi-Pa-Polen

...so habe ich unser Nachbarland getauft, gleich auf meiner ersten Reise dahin. Der Umsonst-Reiseführer "Visitor" hat mit einigen nützlichen Tipps aufgewartet, um dem polenunerfahrenen Touristen-oder-bald-Einwohner die Reise zu erleichtern:


Rubrik Sicherheit:
"Man kann nicht eindeutig feststellen, ob Polen für Touristen ein sicheres Land ist oder nicht. (...) Auch an scheinbar sicheren Orten kann etwas Unerwartetes, Gefährliches passieren." (Bezplatny Przewodnik, S. 12) 
Das ist ungemein beruhigend und widerspricht allen Klischees. 


Rubrik Sexuelle Minderheiten:
...die sind zwar noch nicht so toleriert, "man darf aber nicht übertreiben und bestimmt keine Angst haben, nach Polen zu kommen." (Bezplatny Przewodnik, S. 14)
Nun bin ich sexuell zwar nicht in der Minderheit, aber wenn ich es wäre, würde ich in Polen eine Streetparade feiern. 


Rubrik Trinkgeld:
"Trinkgeld ist immer eine heikle Angelegenheit." (Bezplatny Przewodnik, S. 15)
...fast so heikel wie sexuell in der Minderheit zu sein. 


Rubrik Umland besichtigen:
"Kurorte eignen sich wunderbar für Erholung und Gesundheitspflege sowie die Heilung der von der Zivilisation angeschlagenen Nerven. Jeder wird den Kurort gesünder, schöner und vor allem entspannt verlassen." (Bezplatny Przewodnik, S. 74)
Habe schon gebucht. Habe auch ganz angeschlagene Nerven. Und die Zivilisation ist nicht ganz unschuldig daran (die Drecksau). 


Rubrik Großzügigkeit (habe ich mal so getauft):
"Falls Sie länger in Breslau bleiben wollen, können Sie alle Vorschläge aus unserem Stadtführer gerne in Anspruch nehmen!" (Bezplatny Przewodnik, S. 31).
Danke.

15.04.11

Best of Mietvertrag

Ich habe ja bereits angemerkt, dass safety hier The Big Issue ist. Deswegen möchte mal aus meinem 17-seitigen Mietvertrag zitieren, der nichts dem Zufall überlässt und unfreiwillig komisch ist. Es finden sich dort Regeln für alle Bereiche des Lebens und Mietens.


Tipps zum Energiesparen in den Tropen:
"Where a fixed rate is agreed the tenant nevertheless agrees to be frugil and not waste energy by e.g. not adjusting thermostactic radiator valves to the optimum position creating the most comfortable temperature for each area instead of e.g. having the whole house set at an unnecessary tropical level."
Wie man sich verhalten sollte, wenn der Landlord potentielle neue Mieter zur Besichtigung einlädt, zum Beispiel der zu akzeptierende und nicht mehr zu akzeptierende Grad der Sauberkeit zum Zeitpunkt der Besichtigung:
"Ultracleanliness is not expected e.g. an isolated sink full of dirty dishes some might reasonably expect.  A number of factors combine to deter prospective viewers, e.g. dirty: floors, toilets, sinks, hobs, hoods, ovens, fridges, cluttered kitchen worktops, the smell of damp washing (unreasonable where a dryer is provided), the inability to walk across floors without risk of stepping upon possessions and general clutter."
Zum Glück riecht unser Kühlschrank immer nach Bergblümchen. ...Aber auch wie hübsch man selbst bei der Besichtigung dreinschaut, ist vertraglich festgelegt:
"Not allow a lack of personal hygiene or sensitivity to others to adversely affect the comfort and wellbeing of other members or prospective members of the household or visitors thereto."  
Und viele generelle Anforderungen an das Verhalten des Mieters:

"Will place any waste food matter and tin lids within tied up binliners to minimise smell within the Grey coloured Landfil wheelie bin the lid of which must not be allowed to remain open to prevent vermin getting in."
Zum Glück riecht auch unser Grey coloured Landfil wheelie bin immer nach Bergblümchen. ...Stören sollte man seine Mitbewohner keinesfalls:
"Such nuisance will include, e.g. locking household items in your room – e.g. vaccuum cleaner; repeated requests to borrow money or possessions; intimidation; bullying of tenants by either male or female; domination of space or speech; uninvited sexal advances; sexual harrasement; threatening words or actions; offensive language; statements or words likely to intimidate or cause fear of rape or violence; fear for personal safety; uninvited or unwanted noise which can be heard by others behind a closed door."
Domination of space ist mitunter schwierig zu unterbinden, wenn man sich in einem Raum kaum um die eigene Achse drehen kann. Da kommt man sich unfreiwillig schon mal recht dominant vor. Ich gebe mir trotz allem große Mühe, auf 10qm sehr unauffällig zu wirken, ja regelrecht zu verschwinden.
Und natürlich: Drogen und "Parties in Anführungszeichen":
"Not become unacceptably disorderly or intoxicated by any form of alcohol, drugs or chemical whilst in the household, nor enter the property in such a condition, nor permit visitors nor encourage others to do so, nor be in any way connected with such activities. Not take drugs other than prescribed by doctors for the duration of any tenancy or residency. Written permission from the landlord is required before inviting more than ten individuals to a ‘party’ at the accommodation."
Und zu guter Letzt, und das ist echt der Kracher, finden sich im Mietvertrag tiefgründige Überlegungen zu Gefahrenpotentialen von Haustieren:
"Cats and rabbits would not be allowed due to inter alia potential damage, allergies and similarly dogs but a guide dog would be considered, likewise a goldfish as it is unlikely to cause damage. Each request would be considered relative to the perceived threat or risk presented."
Ein klein bisschen lustig ist das schon, so viele Anforderungen, um in einer (umgebauten) Garage leben zu dürfen. Aber auch auf kleinem Raum will anständig gelebt werden und anständig, das sind wir.  

24.03.11

Sprachlehrer sind klasse

Sprachlehrer sind ganz groß. Sie stecken nicht so sehr im Kleinklein des Unialltags fest, sie achten weniger auf den Inhalt, als darauf, wie man es macht (und das ist wichtig, man sollte mal generell mehr darauf achten, wie man Dinge tut und nicht, was man tut) und sie verstehen, dass wir "internationals" die uns umgebende Welt mit ein bisschen anderen Augen sehen.
Sprachlehrer sind noch besser, wenn sie einem nicht nur die Sprache beibringen, sondern auch die Kultur. Ich gehe in einen Kurs, hauptsächlich wegen des Lehrers, denn Lernen tue ich nicht viel. Aber er bemüht sich, uns die englische, speziell britische Art der Höflichkeit anzugewöhnen. Und das geht so: je höflicher man rüberkommen möchte, desto höher schraubt man die Stimme. Wir üben das fleißig, falls wir zwischen so manchem Lachanfall noch etwas herausbekommen und haben anschließend Stimmbandschmerzen. Und wenn der Lehrer fragt "Does it sound silly?" und wir voller Inbrunst und Erleichterung, dass er unsere missliche Lage versteht, bejahen, sagt er "Good". Ich trainiere meine hohe Stimme jetzt immer im Bus, wo ich beim Aussteigen fröhlich (und hoch) "byyyy-yye" und "thank you" flöte. 

20.03.11

Sommer (hoffentlich nicht)

Es ist ungefähr höchstens 10°C warm, die Sonne scheint blass hinter ein paar Wolkenschleiern hervor und die Engländer tragen Flipflops, Sonnenbrillen und auch sonst leichte Bekleidung. Das beunruhigt mich. Fühlen die etwa latent schon den Sommer? Ist das etwa nicht mehr steigerungsfähig?
Es geht hier auf meinem Blog im Moment meistens um warm und kalt und "die Engländer". Und da das so gute Themen sind (besser, als wenn ich hier einen Aufsatz über Postdemokratie schreiben würde, was ich aber eigentlich gerade tun sollte), werden noch zwei sehr wichtige Kapitel über England zu schreiben sein, safety und politeness. Aber dazu später!

18.03.11

Kleeblatt

St. Patrick's Day, man muss es mögen... Etwas perplex stehe ich immer noch vor der englischen Art, Spaß zu haben. Clubs zum Tanzen gibt es hier kaum, aber dafür sehr viele Pubs. Gestern war ein besonders guter Tag für Pubs, der des vierblättrigen Kleeblatts. Die Frauen schmücken sich mit etwas mehr Schminke als sonst und mit etwas weniger Textil. Etwas mehr Bier, dafür aber weniger gutes. Die eine Hälfte des Biers landet auf dem Boden, da sich das Halten eines Bierglases mit dem wilden Klatschen zu irischen Rhythmen nicht gut verträgt. Die Frauen sind mal wieder die Rüpel und auch zahlenmäßig überlegen. Ab und zu fällt eine kurz mal hin und ihre Pracht fast aus dem Dekolleté. Cheers! 

09.03.11

Alle Temperaturen unter 10° sind eine Frechheit

Dank dreitägigem Sonnenschein, der in dieser Intensität und Länge hier Premiere ist, bin ich aus der Winterstarre erwacht. Ich habe den Verdacht, das ich ein wechselwarmes Tier bin. Das sind diese Tiere, die ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren können, sondern gezwungenermaßen der Umgebungstemperatur anpassen. Man muss sie, wenn sie zu lange in der Kälte waren, in die Sonne tragen, damit sie wieder auftauen (Leguane zum Beispiel). Ich wurde jetzt in die Sonne getragen und wäre sehr enttäuscht, wenn ich nochmal einfrieren würde. 
Ich kenne tatsächlich niemanden, der kälteempfindlicher wäre als ich. Neulich habe ich sogar was ganz Schlimmes gemacht: frei nach dem Motto "google niemals deine eigene Krankheit" habe ich Begriffe wie "übermäßige Kälteempfindlichkeit"und "chronisches Kälteempfinden" eingegeben. Überraschenderweise scheint das aber keine anerkannte Krankheit zu sein.
Ich bereite mich auf einen leicht chaotischen Trip nach London vor. 

28.02.11

Das starke Geschlecht

Lasst mich noch ein Wort verlieren über die englische Mode. Schon tagsüber schmücken sich die Britinnen mit äußerst wenig Textil. Des Nachts jedoch geht es erst richtig los. Da wird sich, ungeachtet der Temperaturen, die kein Selektionskriterium für Kleidung darstellen, zwischen Strumpfhose und Rock entschieden; beides gleichzeitig kommt selten zum Einsatz. Die Strumpfhose ist manchmal mit einem Muster bedruckt, das zum Beispiel dessousartige Blümchenmuster oder auch Strapsen nachahmt. Der Rock ist selten länger als bis zur Pofalte. Während mir schon beim Hinschauen (Wegschauen ist auch schwierig) alles abfriert, zeigen sich die männlichen Partygänger wenig beeindruckt von der hartnäckigen Fleischbeschau. Sie sehen neben ihren durch gehörige Absätze meist gleichgroßen Begleiterinnen ohne viel Stoff sehr blass aus. Tatsächlich und sprichwörtlich.
Meine Theorie ist folgende: Die Mädels sind so übertrieben halbnackt, dass die armen Jungs sich gar nicht mehr trauen, offensiv zu werden. Denn wenn frau sich schon textiltechnisch als Sexbombe stilisiert, muss (oder vielleicht will) mann ihr ja nicht mehr zu verstehen geben, dass es so ist. Die Frauen hier sind die Pfauen, die sich torkelnd stöckelnd und viel zu hautfarben in die Brust werfen, während die Männer an so viel so kurzen Röcken das Interesse zu verlieren scheinen.

19.02.11

„The persona you wish to project“

Gestern habe ich mich ganz meiner Persönlichen Performance gewidmet. Ich habe nicht nur an meinen Presentation Skills gefeilt, sondern auch noch an meiner Body Language. Ja, wenn ich die Begriffe so ins Deutsche übernehme, klingt das ja ganz schön lächerlich, merke ich gerade. Wie aus einem „Coach yourself“-Handbuch für Leute, die Management studieren (ich habe mich schon immer gefragt, was das Management-Studium beinhaltet, ich stelle mir da immer eine Menge glatt gebürsteter Leute vor, die die Frage umtreibt: Wie werde ich Chef?, aber vielleicht habe ich da auch eine verengte, ganz und gar verzerrte Sicht).
Also, jedenfalls sprechen hier alle Englisch, da klingt das gleich normaler. Jetzt bin ich ganz schön gewieft und kann (fast) anderer Leute Gedanken lesen, wenn ich nur ihre Body Language aufmerksam lese. Und wisst ihr was, bald könnt ihr es auch: 

„When shoulders are sloping forward they suggest insecurity; when they are too far back, they suggest arrogance.“
„When our palms are facing upwards, we are suggesting warmth and friendliness. When our hands are palm down, then our gravitas is increased.“
Good Listening: “Your head acknowledges understanding – by nodding!”

Wow, vor allem letzter Tipp hat mir die Augen geöffnet. (Die natürlich auch so einiges aussagen, z.B. der Eyebrow Flash – Augenbrauen nach oben ziehen, um jemanden im Vorübergehen zu begrüßen). 

25.11.09





In ungefähr einem Monat (oh Gott!) ziehe ich hier aus. Vorher wollte ich aber meine Wohnung noch festhalten. In einem uncharmanten französischen Nachkriegsbau gelegen, ist sie von innen eigentlich ganz charmant. Auch wenn seit dem Erbauen (1948) wohl nicht mehr renoviert wurde und ein Teil nach dem anderen kaputt geht, kann man sich hier schon wohlfühlen.
(1) Vom Vermieter aus disparaten Einzelteilen selbst zusammengebastelte Küche.
(2) Das stille Örtchen. Die Funktionsweise des Hauses wird nach außen gelegt. (Ich denke nicht, dass das damals ein architektonischer Kunstgriff war, aber heute wäre es das).
(3) Studentenkaffee. Auch ohne Kaffeevollautomaten zaubern wir latti macchiati!