| Aene Gespinst |






aene gespinst.





29.04.11

Opozniony



We are so froh, wieder in unserer Zeitzone gelandet zu sein. Opozniony ist das Wort der Stunde (dazu muss man sich noch alle möglichen Striche, Haken und Akzente in das Schriftbild dieses Wortes denken, die mein Computer nicht zu tippen im Stande ist) - jedenfalls ist es polnisch und bedeutet verspätet. Und verspätet, das waren wir um 5 Stunden. Diese 5 Stunden Wartezeit konnte ich nur durch hartnäckige Kritzelei, Döserei und Hörbuchhörerei überstehen. Es war nicht der gelungene Abschluss, den ich mir für meine persönliche Polenpremiere gewünscht hätte, aber nun sind wir wie gesagt froh, wieder zu Hause zu sein. Ein letztes Ärgernis bestand zu guter Letzt nur noch darin, dass ich wegen der Hochzeit des Jahres, ach was, Jahrhunderts, wider Willen 4 Pfund für einen ebenfalls wider Willen angetretenen Umweg ausgeben musste.  
Doch sei auch gesagt, dass Polen sehr lustig und freundlich ist und sich der Geldbeutel natürlich viel weitläufiger anfühlt als in London. Bald gibt es auch Bilder dazu. Bilder verspreche ich ja regelmäßig und so möchte ich dieses Versprechen mal wieder erneuern. 

21.04.11

...oder anders ausgedrückt


Aus einer WG, in der ich kurzzeitig mal in Berlin gewohnt habe. Dieses kongeniale Wandgemälde beachtlicher Größe war an die Küchenwand gemalt und hat mich immer daran erinnert, dass der Wille fragil ist und sich schon mal auflösen kann. Und dann fragt man sich, wo er denn so plötzlich hinverschwunden ist, wenn er schon verschwunden ist. Irgendwie schön und beruhigend, menschliche Eigenschaften so undramatisch, schlicht und ein wenig ironisch dargestellt zu sehen. 

15.04.11

Best of Mietvertrag

Ich habe ja bereits angemerkt, dass safety hier The Big Issue ist. Deswegen möchte mal aus meinem 17-seitigen Mietvertrag zitieren, der nichts dem Zufall überlässt und unfreiwillig komisch ist. Es finden sich dort Regeln für alle Bereiche des Lebens und Mietens.


Tipps zum Energiesparen in den Tropen:
"Where a fixed rate is agreed the tenant nevertheless agrees to be frugil and not waste energy by e.g. not adjusting thermostactic radiator valves to the optimum position creating the most comfortable temperature for each area instead of e.g. having the whole house set at an unnecessary tropical level."
Wie man sich verhalten sollte, wenn der Landlord potentielle neue Mieter zur Besichtigung einlädt, zum Beispiel der zu akzeptierende und nicht mehr zu akzeptierende Grad der Sauberkeit zum Zeitpunkt der Besichtigung:
"Ultracleanliness is not expected e.g. an isolated sink full of dirty dishes some might reasonably expect.  A number of factors combine to deter prospective viewers, e.g. dirty: floors, toilets, sinks, hobs, hoods, ovens, fridges, cluttered kitchen worktops, the smell of damp washing (unreasonable where a dryer is provided), the inability to walk across floors without risk of stepping upon possessions and general clutter."
Zum Glück riecht unser Kühlschrank immer nach Bergblümchen. ...Aber auch wie hübsch man selbst bei der Besichtigung dreinschaut, ist vertraglich festgelegt:
"Not allow a lack of personal hygiene or sensitivity to others to adversely affect the comfort and wellbeing of other members or prospective members of the household or visitors thereto."  
Und viele generelle Anforderungen an das Verhalten des Mieters:

"Will place any waste food matter and tin lids within tied up binliners to minimise smell within the Grey coloured Landfil wheelie bin the lid of which must not be allowed to remain open to prevent vermin getting in."
Zum Glück riecht auch unser Grey coloured Landfil wheelie bin immer nach Bergblümchen. ...Stören sollte man seine Mitbewohner keinesfalls:
"Such nuisance will include, e.g. locking household items in your room – e.g. vaccuum cleaner; repeated requests to borrow money or possessions; intimidation; bullying of tenants by either male or female; domination of space or speech; uninvited sexal advances; sexual harrasement; threatening words or actions; offensive language; statements or words likely to intimidate or cause fear of rape or violence; fear for personal safety; uninvited or unwanted noise which can be heard by others behind a closed door."
Domination of space ist mitunter schwierig zu unterbinden, wenn man sich in einem Raum kaum um die eigene Achse drehen kann. Da kommt man sich unfreiwillig schon mal recht dominant vor. Ich gebe mir trotz allem große Mühe, auf 10qm sehr unauffällig zu wirken, ja regelrecht zu verschwinden.
Und natürlich: Drogen und "Parties in Anführungszeichen":
"Not become unacceptably disorderly or intoxicated by any form of alcohol, drugs or chemical whilst in the household, nor enter the property in such a condition, nor permit visitors nor encourage others to do so, nor be in any way connected with such activities. Not take drugs other than prescribed by doctors for the duration of any tenancy or residency. Written permission from the landlord is required before inviting more than ten individuals to a ‘party’ at the accommodation."
Und zu guter Letzt, und das ist echt der Kracher, finden sich im Mietvertrag tiefgründige Überlegungen zu Gefahrenpotentialen von Haustieren:
"Cats and rabbits would not be allowed due to inter alia potential damage, allergies and similarly dogs but a guide dog would be considered, likewise a goldfish as it is unlikely to cause damage. Each request would be considered relative to the perceived threat or risk presented."
Ein klein bisschen lustig ist das schon, so viele Anforderungen, um in einer (umgebauten) Garage leben zu dürfen. Aber auch auf kleinem Raum will anständig gelebt werden und anständig, das sind wir.  

03.04.11

Tage werden länger, wenn man weniger tut

Ein neuer sonniger und für mich 3. Tag im Bett kündigt sich an. Mein Rumgereise in verschiedene europäische Hauptstädte hat sich mit einer kleinen Frühjahrsmüdigkeit gerächt. Immerhin scheint der Gedanke, die Tastatur zu bedienen, heute nicht mehr ganz so abwegig wie gestern. Auch habe ich es geschafft, mich unter die Dusche zu stellen, denn das wäre ja sonst eklig geworden hier. Mein Haar hat mehr Licht absorbiert, als dass es glänzte. 
So eine Krankheit muss man ja auch immer ganzheitlich und positiv sehen und son Kram und deswegen denke ich, dass ich jetzt Zeit habe, über alles mal richtig in Ruhe nachzudenken, wie Herr Lehmann sagen würde. Herr Lehmann ist überhaupt das einzig Wahre, Herr Lehmann hat den Bogen raus. Herrn Lehmann müsste ich eigentlich nochmal eine ganz eigene Hommage schreiben.
Man bekommt auch mal mehr von der Nachbarschaft mit, die hier nicht gerade das pralle Leben versprüht. Aber auch hier wird gekommen und gegangen, ein Schwätzchen ausgetauscht und gegärtnert; ganz beschaulich fiebere ich meiner Genesung entgegen. 

24.03.11

Sprachlehrer sind klasse

Sprachlehrer sind ganz groß. Sie stecken nicht so sehr im Kleinklein des Unialltags fest, sie achten weniger auf den Inhalt, als darauf, wie man es macht (und das ist wichtig, man sollte mal generell mehr darauf achten, wie man Dinge tut und nicht, was man tut) und sie verstehen, dass wir "internationals" die uns umgebende Welt mit ein bisschen anderen Augen sehen.
Sprachlehrer sind noch besser, wenn sie einem nicht nur die Sprache beibringen, sondern auch die Kultur. Ich gehe in einen Kurs, hauptsächlich wegen des Lehrers, denn Lernen tue ich nicht viel. Aber er bemüht sich, uns die englische, speziell britische Art der Höflichkeit anzugewöhnen. Und das geht so: je höflicher man rüberkommen möchte, desto höher schraubt man die Stimme. Wir üben das fleißig, falls wir zwischen so manchem Lachanfall noch etwas herausbekommen und haben anschließend Stimmbandschmerzen. Und wenn der Lehrer fragt "Does it sound silly?" und wir voller Inbrunst und Erleichterung, dass er unsere missliche Lage versteht, bejahen, sagt er "Good". Ich trainiere meine hohe Stimme jetzt immer im Bus, wo ich beim Aussteigen fröhlich (und hoch) "byyyy-yye" und "thank you" flöte. 

21.03.11

Romane, Ideen entstehen und Sonne

Es ist Frühlingsanfang, jedenfalls auf dem Kalender und draußen eigentlich auch. Alles scheint ein wenig weniger ernst, dafür aber die Sonne. Es ist herrlich.
Über Nacht hatten wir Besuch von einer Tschechin, die gerade ein Buch schreibt über jemanden, der entdeckt, dass er fliegen kann. Er untersucht sich dann sozusagen selbst, da er Biologe ist. Der Roman bewegt sich an der Grenze von Philosophie und Physik. Spannend. Nun macht sie eine Reise durch England, um für den Roman zu recherchieren. Ansonsten arbeitet sie in einer Erdölfirma. Naja, irgendwo muss das Geld ja herkommen.
Hoffen wir, dass sie groß rauskommt, dann können wir uns eine Plakette an die Garage heften: "Hier schlief die große Schriftstellerin K.W." 

20.03.11

Sommer (hoffentlich nicht)

Es ist ungefähr höchstens 10°C warm, die Sonne scheint blass hinter ein paar Wolkenschleiern hervor und die Engländer tragen Flipflops, Sonnenbrillen und auch sonst leichte Bekleidung. Das beunruhigt mich. Fühlen die etwa latent schon den Sommer? Ist das etwa nicht mehr steigerungsfähig?
Es geht hier auf meinem Blog im Moment meistens um warm und kalt und "die Engländer". Und da das so gute Themen sind (besser, als wenn ich hier einen Aufsatz über Postdemokratie schreiben würde, was ich aber eigentlich gerade tun sollte), werden noch zwei sehr wichtige Kapitel über England zu schreiben sein, safety und politeness. Aber dazu später!

18.03.11

Kleeblatt

St. Patrick's Day, man muss es mögen... Etwas perplex stehe ich immer noch vor der englischen Art, Spaß zu haben. Clubs zum Tanzen gibt es hier kaum, aber dafür sehr viele Pubs. Gestern war ein besonders guter Tag für Pubs, der des vierblättrigen Kleeblatts. Die Frauen schmücken sich mit etwas mehr Schminke als sonst und mit etwas weniger Textil. Etwas mehr Bier, dafür aber weniger gutes. Die eine Hälfte des Biers landet auf dem Boden, da sich das Halten eines Bierglases mit dem wilden Klatschen zu irischen Rhythmen nicht gut verträgt. Die Frauen sind mal wieder die Rüpel und auch zahlenmäßig überlegen. Ab und zu fällt eine kurz mal hin und ihre Pracht fast aus dem Dekolleté. Cheers! 

09.03.11

Alle Temperaturen unter 10° sind eine Frechheit

Dank dreitägigem Sonnenschein, der in dieser Intensität und Länge hier Premiere ist, bin ich aus der Winterstarre erwacht. Ich habe den Verdacht, das ich ein wechselwarmes Tier bin. Das sind diese Tiere, die ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren können, sondern gezwungenermaßen der Umgebungstemperatur anpassen. Man muss sie, wenn sie zu lange in der Kälte waren, in die Sonne tragen, damit sie wieder auftauen (Leguane zum Beispiel). Ich wurde jetzt in die Sonne getragen und wäre sehr enttäuscht, wenn ich nochmal einfrieren würde. 
Ich kenne tatsächlich niemanden, der kälteempfindlicher wäre als ich. Neulich habe ich sogar was ganz Schlimmes gemacht: frei nach dem Motto "google niemals deine eigene Krankheit" habe ich Begriffe wie "übermäßige Kälteempfindlichkeit"und "chronisches Kälteempfinden" eingegeben. Überraschenderweise scheint das aber keine anerkannte Krankheit zu sein.
Ich bereite mich auf einen leicht chaotischen Trip nach London vor. 

07.03.11

Das wurde Zeit, fast hätte ich eine Bestrahlungslampe gebraucht

Kein Wölckchen am Himmel, die Sonne strahlt: Bin ich noch in England? Auf dem Weg zur Uni blühen Krokusse in allen Farben und ein Meer an Narzissen macht sich auch schon bereit. Heute ist vermutlich der schönste Tag, den ich hier bisher erlebt habe. Wettertechnisch. Auch sonst ist er nicht schlecht: Ich habe einen in Windeseile verfassten Essay elektronisch übermittelt (alles virtuell hier). Ich hatte mir für den Essay eine falsche Deadline gemerkt (einen Monat später als tatsächlich). Aber jetzt bin ich froh, dass es getan ist und dass ich es geschafft habe, meine Ansprüche ganz schön weit herunterzuschrauben. Das tut mir mal richtig gut und wird das Motto des - ohnehin nur noch kurzen - Semesters! Und weil ich schon mal dabei bin, habe ich beschlossen, dass ich dann auch gleich einen Kurztrip nach London unternehmen kann. Vier Tage wollen wir uns dort verlustieren (sieht sehr komisch aus, dieses Wort in schriftlicher Form) und ich werde natürlich die Kamera mitnehmen.

03.03.11

Seaside

Ramsgate, Broadstairs und zurück.
Erst sind wir am Strand entlang spaziert, unterhalb der Steilklippen (das war das erste Mal für mich, dass ich im Winter am Meer war) und zurück sind wir auf der Uferpromenade entlang gegangen, auf den Steilklippen. 






Nach dem windigen Spaziergang sind wir in "Peter's Fish Factory" eingekehrt. Nachdem wir matschige Chips und Panade mit ein bisschen Fisch darin gegessen hatten, haben wir selbst gerochen, als wären wir frittiert worden und auch unsere Mägen haben sich angefühlt wie eine Fritöse. 

01.03.11

Erinnerung





















Dies ist eine kleine Erinnerung an den Sommer. Solch aufregende Farben kommen zu Stande, wenn man zwischendurch einfach mal den Fotoapparat öffnet und ein paar Bilder belichtet... Ich mag das Foto trotzdem sehr, es erinnert mich an Sommer, Wärme, im Wind flatternde Vorhänge und an Sommermorgen, an denen ich mir nur schnell ein T-Shirt und eine Leinenhose übergestreift habe. Manchmal sind es eher die missglückten Fotos, die mir besonders gefallen, aber vielleicht auch nur, weil sie eine persönliche Bedeutung haben.

28.02.11

Das starke Geschlecht

Lasst mich noch ein Wort verlieren über die englische Mode. Schon tagsüber schmücken sich die Britinnen mit äußerst wenig Textil. Des Nachts jedoch geht es erst richtig los. Da wird sich, ungeachtet der Temperaturen, die kein Selektionskriterium für Kleidung darstellen, zwischen Strumpfhose und Rock entschieden; beides gleichzeitig kommt selten zum Einsatz. Die Strumpfhose ist manchmal mit einem Muster bedruckt, das zum Beispiel dessousartige Blümchenmuster oder auch Strapsen nachahmt. Der Rock ist selten länger als bis zur Pofalte. Während mir schon beim Hinschauen (Wegschauen ist auch schwierig) alles abfriert, zeigen sich die männlichen Partygänger wenig beeindruckt von der hartnäckigen Fleischbeschau. Sie sehen neben ihren durch gehörige Absätze meist gleichgroßen Begleiterinnen ohne viel Stoff sehr blass aus. Tatsächlich und sprichwörtlich.
Meine Theorie ist folgende: Die Mädels sind so übertrieben halbnackt, dass die armen Jungs sich gar nicht mehr trauen, offensiv zu werden. Denn wenn frau sich schon textiltechnisch als Sexbombe stilisiert, muss (oder vielleicht will) mann ihr ja nicht mehr zu verstehen geben, dass es so ist. Die Frauen hier sind die Pfauen, die sich torkelnd stöckelnd und viel zu hautfarben in die Brust werfen, während die Männer an so viel so kurzen Röcken das Interesse zu verlieren scheinen.

22.02.11

Alles selber machen

Das Leben ist schwieriger geworden. Alles muss man selber machen. Mir fällt es immer wieder auf und dann wäre ich gerne so diszipliniert wie Kant (ja, der Vergleich darf jetzt ruhig mal herhalten). Er dachte, die wahre Freiheit des Menschen läge in der Beherrschung seiner Emotionen/Passionen,  im moderneren Sinne könnte man vielleicht Laster sagen. So lautet jedenfalls meine eigene Interpretation. Kant hatte einen ganz regelmäßigen Tagesablauf und wenn er Husten hatte, verkniff er sich das Husten, um sich zu beweisen, dass seine Willenskraft stärker als seine Impulse war (und dass seine Moraltheorie auch wirklich stimmte). Das ist natürlich albern von ihm gewesen, aber mir geht es um den Grundgedanken. 


Wenn die Unis zum Beispiel am Eingang der Bibliotheken jemanden Autoritäres postieren würden, der jeden Tag kontrolliert, wann der Student das Gebäude betritt und es verlässt, und dann womöglich noch mit Sanktionen drohen würde, dann würde ich keine Zeit verlieren! Wenn alle zehn Minuten mein Rechner schwarz werden würde und mich fragen würde: Willst du jetzt wirklich noch das fünfzehnte Profil von dem Ex der Schwester deiner Grundschulfreundin angucken? (ja) (nein), dann würde ich vermutlich recht zügig peinlich berührt auf (nein) klicken. 


Aber diese Instanzen gibt es nicht und es ist sehr schwer, sie in sich selbst zu errichten. Ich kann das morgendliche "Aus-dem-nochmal-Umdrehen-ist-nochmal-ein-Tiefschlaf-geworden"-Gefühl beim (Nicht-)Aufstehen auf niemanden schieben, außer auf mich selbst, was dieses Gefühl dann noch schlimmer macht. Das ist der Preis der Freiheit, die wir haben und dadurch sehr schnell nicht mehr haben. Vielleicht bleiben Freiheiten nur Freiheiten, wenn man sie für sich selbst wieder einschränkt.   

20.02.11

Required Reading

Diamond, Larry. 2008. The Spirit of Democracy. The struggle to build free societies throughout the world. New York: Holt Paperbacks, pp. 17-87.

Wolin, Sheldon. 2008. Democracy Incorporated: Managed Democracy and the Specter of Inverted Totalitarianism. Princeton: Princeton University Press.

Adorno, Theodor and Max Horkheimer. 1979. (1944). Dialectic of Enlightenment. London: Verso Edition, chapter: „The Culture Industry: Enlightenment as Mass Deception“, pp. 120-167.

Cohn, Carol. 1987. „Sex and Death in the Rational World of Defence Intellectuals“ in: Signs: Journal of Women in Culture and Society, vol.12, no.4, pp. 687-718. 

19.02.11

„The persona you wish to project“

Gestern habe ich mich ganz meiner Persönlichen Performance gewidmet. Ich habe nicht nur an meinen Presentation Skills gefeilt, sondern auch noch an meiner Body Language. Ja, wenn ich die Begriffe so ins Deutsche übernehme, klingt das ja ganz schön lächerlich, merke ich gerade. Wie aus einem „Coach yourself“-Handbuch für Leute, die Management studieren (ich habe mich schon immer gefragt, was das Management-Studium beinhaltet, ich stelle mir da immer eine Menge glatt gebürsteter Leute vor, die die Frage umtreibt: Wie werde ich Chef?, aber vielleicht habe ich da auch eine verengte, ganz und gar verzerrte Sicht).
Also, jedenfalls sprechen hier alle Englisch, da klingt das gleich normaler. Jetzt bin ich ganz schön gewieft und kann (fast) anderer Leute Gedanken lesen, wenn ich nur ihre Body Language aufmerksam lese. Und wisst ihr was, bald könnt ihr es auch: 

„When shoulders are sloping forward they suggest insecurity; when they are too far back, they suggest arrogance.“
„When our palms are facing upwards, we are suggesting warmth and friendliness. When our hands are palm down, then our gravitas is increased.“
Good Listening: “Your head acknowledges understanding – by nodding!”

Wow, vor allem letzter Tipp hat mir die Augen geöffnet. (Die natürlich auch so einiges aussagen, z.B. der Eyebrow Flash – Augenbrauen nach oben ziehen, um jemanden im Vorübergehen zu begrüßen). 

17.02.11

Intermezzo
























Ich habe eine Nacht in einem Schloss verbracht (das war das erfreulichste an einem Kurztrip nach Deutschland). Es war nicht mehr das neuste, es war sogar sehr renovierungsbedürftig. Seine goldenen Zeiten waren schon vorüber, der einstige Charme ließ sich im Verfall erahnen. Ein Zuckerfabrikant hat es vor Jahren als Schloss ausbauen lassen um seiner Existenz etwas Glamour zu verleihen (vermute ich).
Ich kam so spät in der Nacht an, dass ich einfach nur mein Zimmer bezogen habe, Nummer 46, das Schloss steht immer auf und der Schlüssel steckte. Die Wände waren so hoch wie unsere Wohnung hier in England lang ist. Am nächsten Morgen habe ich habe ausgeschlafen und bin dann im Schloss rumgetapst, auf der Suche nach dem Esssaal und der Rezeption. Letztere habe ich nicht gefunden. Im Esssal waren nicht nur die goldenen Zeiten, sondern auch das Frühstück schon vorüber. Ich habe noch ein wenig Tee, zwei Scheiben Banane und Schoko-Reis-Crackers gefunden und ein belegtes Brot vom Vortag (in meiner Handtasche). Gutes Frühstück.   

13.02.11

Sunny Patches
























Sunny Patches hatte uns der Wetterbericht für Samstag versprochen und ich wollte es nicht glauben. Er hatte aber recht, die Sonne hat sich durchgekämpft. Das haben wir genutzt, um endlich einmal die Stadt näher zu erkunden. Abseits der High Street finden sich viele schöne Ecken, Sträßchen, Häuschen, Lädchen, Gärtchen, Pubs (chen?) - alles so klein und schmal! Mittelalterlich, schnuckelig, hutzelig, viel Backstein und mit glänzender Ölfarbe lackierte Fassaden und Türen. Und unseren Lieblingsplatz haben wir auch ausgemacht, einen wunderschönen Farmer's Market: The Goods Shed. Bilder werden folgen, auch vom heutigen Ausflug ans Meer. Analoge Fotografie genehmigt sich eine Verzögerung, die in dieser Welt anachronistisch anmutet. 

11.02.11

Seltene Stille

Gegen Ende der Woche wird es still in der Uni. Wo sich sonst die 18.000 Studenten dieser kleinen Uni-Stadt tummeln, ist es jetzt ruhig und fast besinnlich. Ich komme bei einer heißen Schokolade in dem Gebäude der Architektur (ja, sie haben natürlich das schönste Café) richtig zur Ruhe. Davon hatte ich nicht viel in letzter Zeit.

Die Studenten haben freitags spät nachmittags die Unigebäude oder sogar den Campus schon verlassen. Viele sind aus London und fahren am Wochenende gerne dorthin zurück. Um diese Zeit könnte allerdings auch eine erste Runde im Pub anstehen. Hier wird früh losgelegt. Um 8 Uhr kann der Pub schon aus allen Nähten platzen. Wie praktisch eigentlich, dann kann man sogar noch genug schlafen nach ein paar Pints.
Die Eingewöhnung findet ganz langsam statt, ich kann ihr quasi zuschauen. Ich habe dieses Land zuvor nie betreten und nun lebe ich gleich hier. Noch dazu passiert ständig etwas, was mich zwingt, an Anderes, Zukünftiges, Hypothetisches, Entferntes zu denken, das macht es nicht gerade leichter.
Jetzt bin ich endgültig die letzte hier.
Jetzt doch nicht mehr. 

09.02.11

Scones

Teatime mit mir selbst. Und mit Scones, aber ohne Clotted Cream. Auf dem Campus werden manchmal Köstlichkeiten verkauft, englische, russische, vegetarische, mediterrane, kentishe und überteuerte. 
Besonders faszinierend hier sind die Vögel. Tags wie nachts, und auch bei Regen, hört man ein lautes Vogelgezwitscher. Das ist fast ein bisschen surreal. Es gibt auch Möwen. Das Meer ist nah, auch wenn man es von hier aus nicht sieht. Die Luft ist milder und es friert nicht. Im Garten stehen sogar Palmen. Wir haben einen weiten Blick, sehr viel Himmel, wenn man rausschaut. Meistens ist er grau, aber falls nicht, haben wir den ganzen Tag eine sonnendurchflutete Wohnung. Dann könnte man fast vergessen, dass die Wohnung eine umgebaute Doppelgarage ist. Aber kleiner geht immer in England, wie mir mein Nachbar bestätigte. So eine Doppelgarage ist auch eine logistische Herausforderung, man muss sich geschickt aneinander vorbeibewegen und recht ordentlich sein...