| Aene Gespinst |






aene gespinst.





21.04.12

Polskibus nach Warszawa

Warschau. Alle sagen wie hässlich diese Stadt doch ist und dass man besser nach Krakau fahren sollte. 
Ich denke, sie ist das bessere Berlin. Viel habe ich nicht von Warschau gesehen und der straffe 
Konferenzzeitplan hat es mir auch nicht ermöglicht, Bilder zu machen. Aber ich würde gerne wieder 
hinfahren. So viele Gegensätze und Kurioses lassen sich dort finden. Neben dem kommunistischen 
Kulturpalast Wolkenkratzer und ein Neubau von Norman Foster. Dann wunderschöne Staßenzüge 
mit Altbauten und die Prachtstraße Nowy Świat (Neue Welt). Bars und Clubs für das Nachtleben. 
Mit Plastiktitten an der Wand. Zufällig laufen wir durch einen Häuserdurchgang und stehen vor einer 
großen Jesusstatue auf einem Parkplatz. Ich sollte wiederkommen, mit einem Fotoapparat, Ortskundigen 
und mehr Zeit. Mal sehen, mal sehen. 


Links für Warschau-Begeisterte:
Fotoblog &
Videoblog über Warschau 
Besonders dieses Video mit Bewohnern von Praga, dem Viertel, indem sich soziale Probleme, 
Dreck und die Kreativszene befinden. (Wie immer beliebte Kombination. Gentrifizierung sieht aber 
anders aus. Soweit ich das beurteilen kann, ist sie noch ein Fremdwort in Polen, was für den gesättigten 
Westeuropäer sehr ungewohnt und schön ist). 
"I have such beautiful dreams I cannot describe them."
und 4'48'' - Meckernde Polen. Sie können das besser als alle anderen. Es wirkt so dramatisch, 
dass es schon wieder absurd und höchst unterhaltsam ist. 

21.03.12

Hin und zurück, hin und weg

Früher war für mich in Görlitz die Welt zu Ende, jetzt fängt dort die Reise erst richtig an. Ob in Richtung 
Deutschland oder in Richtung Polen. Görlitz ist erst die Grenze. (Jedes Mal muss man an der Grenze 
mit dem Ticket tricksen.)
Am Wochenende war ich in Weimar und habe nachgeholt, was mir am meisten gefehlt hat (siehe 
letzten verzweifelten Eintrag), vor allem: heiß (und stehend) duschen, in der warmen Sonne sitzen und 
auch sonst Wärme jeglicher Art absorbieren. Gute Luft in die Lungen saugen. Ich weiß nicht, was es ist 
in Wrocław, ich habe immer das Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können. Vielleicht ist das noch 
die kommunistische Umweltverschmutzung, die alten Autos oder die Kohleheizung oder alles zusammen.
In Glauchau, Sachsen, wo wir umsteigen mussten, dann ein magischer Moment, die klare, reine Luft 
einzusaugen, mit Holzduft versetzt, der von der Holzfabrik herüberströmt. Dazu milde Frühlings-
temperaturen, selbst in der Dämmerung. Lackierte Backsteine, die in dem gelben Abendlicht 
glänzen. Glauchau, vor kurzen ein nichtssagender Fleck, jetzt ein herrlicher Ort. (Falls ihr mal dort 
vorbeikommt, steigt aus und dreht eine Runde. Sachsen ist klasse). 

Der Schaffner möchte noch kurz -Zitat- „einen Blick in unsere gültigen Personenbeförderungsdokumente 
werfen“ und dann sind wir in Weimar. Altbekannt, geliebt, verhasst, fast beruhigend all die Hipster 
zu sehen, die ihre Pläne zum Plotten bringen, ihre Siebdrucke abholen, ihre Modelle und modischen 
Accessoires zur Schau stellen und neuartige Produktentwicklungen beim Mittagessen gedanklich 
durchspielen. Die ihren Lebensradius vom Epizentrum M18 aufspannen, und dann zwischen S24, M12 
und E11 hin- und herpendeln.

Zurück in Polen. Sorry for my lungs, aber froh, Freunde wiederzusehen. In meinen Fitnesskurs 
gehen. Die Trainerin macht Trizepsübungen mit uns (tricepsów). Bei einem wilden Song kommt 
sie zu mir, guckt mich verschwörerisch an und sagt: „Polnischer Disko-Pop“. Aha. Dann klemmt sie 
sich einen Lolli zwischen die Pobacken, um zu demonstrieren, wie fest wir diese anspannen sollen. 
Einen Moment lang habe ich Angst, sie werde jetzt bei allen die Klemmprobe durchführen. Und dann 
würde der Lolli bei mir mit einem großen Plopp auf dem Boden landen.  
Idziemy idziemy! 

13.03.12

Grau / Szary




Marzę o wakacjach. 
//
Ich träume von den Ferien. 
//

Neulich erst im Polnisch Kurs gelernt (man beachte den Lokativ, einer von 7 Fällen), 
heute schon angewendet. 

Und das beste ist, ich träume nicht nur von Ferien, ich werde auch welche machen. Bald schon. 
Und es wird Bilder geben, und Sonne. Auf Kreta. 

Alles ist grau hier, der Winter will nicht weichen. Alles grau - Häuser, Wetter und, was mich am meisten 
stört, Gesichter. Neulich haben wir mit Freunden überlegt, welche Komponente an dieser Triade 
am einfachsten zu ändern sei. Einstimmig haben wir uns auf Gesichter geeinigt. Das bleibt aber ein 
höchst hypothetisches Konstrukt.


Die Menschen sehen nicht sehr fröhlich aus. Auch auf hartnäckiges Anlächeln und Freundlich 
Sein (oh, und mit Einsatz aller spärlichen Sprachkenntnisse) folgt tatsächlich meist - nichts. Der Flirtfaktor 
ist sehr niedrig. Ob die Männer hier schon bemerkt haben, dass es Frauen gibt? Da freuen wir uns 
doppelt über den kleinen Italiener und den kleinen Peruaner in unserem Studiengang, die uns morgens 
mal ein Küsschen auf die Wange drücken und den Tag gleich mit einem Kompliment beginnen.  
...Fällt langsam der Exotik-Bonus weg? Aus Erfahrung weiß ich, dass nach der ersten Verzückung 
oder zumindest der anfänglichen Toleranz eine Phase kommt, in der nicht mehr alles so einfach 
zu akzeptieren ist. Warum fahren zu einer Uni, zu der tausende Studenten gehen (tatsächlich) 
nur zwei mal in der Stunde Busse? Warum wird mir überall Kohl nachgeschmissen, aber ein Stück 
durchschnittlicher Parmesan kostet 8€? Warum riecht es in jeder Straßenbahn zu jeder Uhrzeit 
nach Alkohol? Warum bleiben die Leute nicht stehen und helfen mir, wenn ich sie anspreche? 
Warum gibt es für mein Haus kein Schloss, sodass jeder hereinspazieren kann? Warum ist das Wasser 
in unserer Dusche nur lauwarm? Warum scheißt der Hund unserer Nachbarn auf unsere Fußmatte?

Bis zum Frühling, der die Komponente Wetter in der Triade ändern wird, werden wir uns mit kollektivem 
Galgenhumor bei Laune halten. Ach herrje. Danke, falls ihr das bis zum Schluss gelesen habt. 
Morgen Abend, ihr Lieben, ist Party. 

27.02.12

Davor





#1 Wintervögel
.
#2 Die eingefrorene Oder. Inzwischen ist sie wieder aufgetaut, in den Nebenarmen stapeln sich die 
Eisplatten, an der breitesten Stelle rauschen Eisschollen in beeindruckender Geschwindigkeit 
vorbei, gemischt mit Ästen und kleinen Stämmen in einer braunen Suppe. Es sieht nicht mehr so 
schön aus, aber: der Frühling kommt. Sogar in Polen. (Irgendwann).  
.
#3 Manchmal weiß ich nicht, ob Wrocław die glanzvollen Zeiten schon hinter sich oder noch vor sich hat
Manchmal finde ich all die verkommenen Gründerzeitbauten mit ihren von jahrelanger Kohlebestäubung 
schwarz verfärbten Fassaden deprimierend; manchmal sehe ich eine wunderschöne Stadt voller 
ungeschliffener Diamanten. Es kommt wohl auf meine Stimmung an. Der Glanz vergangener 
Zeiten ist jedenfalls genauso präsent wie das zukünftige Neuerstrahlen, wenn sich ein patinöses 
Haus gleich an ein frisch renoviertes reiht. Dies ist der besondere Reiz hier. Inzwischen weiß ich auch, 
dass sich hinter den schäbigsten Fassaden mit Jugendstildamen, die sich - leider völlig kopflos - 
um die Fenster ranken, die schönsten Wohnungen verbergen können. Mit geschliffenen Holzböden, 
freigelegtem Stuck und Backsteinwänden. Auch die Löwen, die meine Eingangstür bewachen, 
haben nicht mehr alle Zähne im Gebiss und alle Strähnen in der Mähne. Vielleicht erklärt das, 
warum unser Treppenaufgang dem sittlichen Schlendrian anheim gefallen ist. Ich gehe gerne auf 
Entdeckungsreise in dieser Stadt - die Gebäude haben viel zu erzählen. 

25.02.12

Im Park



Ilmpark, Weimar.

Vielleicht der einzige Ort, den ich in Weimar wirklich vermisse, ein großer englischer Park. 
Er war immer gut zum Kopf Auslüften. Und die von Goethe persönlich ausgetüftelten Sichtachsen 
funktionieren tatsächlich. 

Ein letzter Hauch Winter aus dem Park - nachdem ich soeben bemerkt habe, dass die Vögel schon zwitschern. 
Was fühlen die, was ich nicht fühle?  

24.02.12

Ładny






Es wurde Zeit, ein paar Bilder meiner neuen Stadt zu zeigen. 
Eine meiner Lieblingsecken ist eine der sieben Oderinseln mit der Most Tumski. An dieser türkisen 
Brücke hängen Paare ihre Liebe schlossförmig an die Metallträger, damit sie nicht verloren geht 
und ewig währt. 
Überquert man über die Brücke, läuft man direkt auf die Katedra zu. 
Viel Backstein ist in der ganzen Stadt zu sehen, was mir sehr gefällt. 
Wrocław wurde im zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört, und dann von den berühmten polnischen 
Restaurateuren wieder aufgebaut. Nicht nur die Gebäude, auch die Bevölkerung wurde einmal 
komplett ausgetauscht: Die Deutschen, die Breslauer also, mussten das Gebiet verlassen und Polen aus 
den verlorenen Ostgebieten wurden hier angesiedelt (vor allem aus Lviv in der heutigen Ukraine). 
Wrocław ist also eine Art zusammengewürfelte Migrationsstadt.   

Ładny. Hübsch. 

Kalenderwoche #8

Jetzt habe ich mich daran erinnert, dass ich früher manchmal Kalenderwochen-Posts gemacht habe. 
Sie haben dazu gedient, zufällig gefundene oder gedachte Dinge festzuhalten.

// Heute habe ich sehr zufällig gedacht, dass die Sonne öfter scheinen könnte.

// Ein Lied. Ja, Mädels, ich frage mich auch, wer der heiße Drummer ist.

// Café Monsieur. Das ist mein neues Lieblingscafé in Wrocław und der Ort, an dem ich ganz konzentriert 
Zeitung lesen kann. Ich konnte beobachten, wie frisches Obst und Kräuter geliefert wurden; und man 
kann vom Tresen aus in die Küche gucken, die offen ist. Der Koch fragt immer persönlich nach, ob es 
geschmeckt hat (und wie). Das Logo des Cafés ist ein Schnauzer, eine moustache. Da in dem gleichen 
Haus gute Freunde von mir wohnen, haben wir gestern eine Moustache-Party veranstaltet.  

// Ich weiß gar nicht, ob ihr es schon bemerkt habt: ich habe jetzt eine About-Page. Vielleicht keine 
About-Page im üblichen Sinne, aber sie dient dazu, meine merkwürdigen Namenskreationen zu erklären.  

// Diese Woche war ich krank geschrieben. Über diese zugegebenermaßen sehr witzige Wortfolge 
hat meine Französischlehrerin in der 9. Klasse mal lange philosophiert, was mich besonders beeindruckt hat. 
Sie hat einen Machtakt darin gesehen, dass jemand daherkommen kann und einen anderen Menschen 
krank schreiben kann. 

22.02.12

Love, Life, Work. Work.







Manchmal ist es gar nicht so glamourös, aufregend oder auch nur entspannt, ein Paar zu sein. Manchmal 
ist es einfach sehr banal, man unterstützt sich gegenseitig und (er)trägt sich. Man sieht die uncharmantesten 
Züge am anderen und, das habt ihr sicher auch schon fest gestellt, sie werden nicht etwa dadurch 
charmanter, dass der Geliebte sie hat. Nur die Belohnung, wenn alles durchgestanden ist, ist größer
und die Bestimmung, mit der man durch die unglamourösen Zeiten geht, um wieder schönere 
zu erleben. In Arbeit ersticken, austicken; krank und wehleidig sein - irgendwann geht alles vorbei und 
dann stellt sich ein ganz friedvolles Gefühl ein.     

13.02.12

Dreingabe

Eigentlich ist ein wie auch immer geartetes Identifizieren oder Befassen mit der polnischen Kultur in meinem 
Studium gar nicht gefragt. Eigentlich haben wir nur polnische Professoren, aber keine polnischen 
Kommilitonen. Eigentlich läuft alles auf englisch und eigentlich könnte ich meine Besorgungen 
ausschließlich in internationalen Ketten (Carrefour, Rossmann, Leclerc, Ikea, Tesco, ....) tätigen. 
Eigentlich ist es eine reine Dreingabe meinerseits, dass ich versuche, Polnisch zu lernen und mir Gedanken 
darüber zu machen, wo ich gerade lebe, wie die Menschen sind, was in der Politik los ist usw. Gerade 
letzteres ist aber so unglaublich schwer, wenn man die Sprache nicht versteht. Genauso wie an kulturellen 
Dingen teilhaben. Ich kann nicht einfach eine Zeitung kaufen und erst recht nicht sie verstehen. 
Bisher konnte ich immer die Sprache des Landes, indem ich gewohnt habe. Hier habe ich nicht einmal 
die nötigen Basics, um mich selbst an die fremde Kultur heranzupirschen. Ich brauche jemanden, 
der mich an die Hand nimmt. 
Langsame finde ich sogar Menschen, die mich an die Hand nehmen, die mir die Sprache erklären, 
mir aufschreiben, wie ich nach analogen Filmentwicklungen fragen kann und mir Sprichwörter beibringen.  
Natürlich lebe ich in einer Enklave aus Menschen, die so sind wie ich, viel umgezogen, viele Sprachen gelernt, 
gut ans Eingewöhnen gewöhnt. Das ist unglaublich schön, denn mit diesen Menschen komme ich mir nicht 
exotisch vor. Mein internationaler Kreis hier ist wunderbar, aber ich würde mir doch viel fremder 
vorkommen, würde ich meine zarten Versuche, mich ein wenig zu polonisieren, auch noch einstellen.  

07.02.12

Food | A Case for Vegetarianism

Seitdem ich das Buch "Eating Animals" (J.S. Foer) gelesen habe, denke ich über den Zusammenhang 
zwischen Essen und meinen Erinnerungen nach, über bestimmte Gerichte, Gebäcke, Gerüche, die in eine 
bestimmte Zeit gehören. So wie man einen persönlichen Soundtrack hat – bestimmte Musik, die man zu 
einer bestimmten Zeit gehört hat – so gibt es auch einen Foodtrack.

Familienfeste, zum Beispiel, schmecken nach Butterkuchen, Frankfurter Kranz und Graubrot. 
Familienbrunchs zu besonderen Angelegenheiten oder mit Gästen schmecken nach Mohngugelhupf oder 
Hefezopf. Meine Kindergeburtstage nach Marmorkuchen, der so richtig schön schwarz/weiß war. Wochendmarkt-
Besuche in Lyon nach Oliven und Comté fruité. Skiurlaub nach Germknödeln mit Mohn. Meine Zeit auf dem
Bauernhof in den Marken nach Farro (gekochter Roggen). Sommer zu Hause nach Beeren und selbstgemachtem 
Eistee. Tanzfreudige Abende nach Gin Tonic.
So könnte ich jetzt noch lange weitermachen. Wonach schmecken eure Erinnerungen?

Essen ist das schönste und wertvollste und auch geselligste, was man machen kann. Deswegen gehört 
für mich dazu, dass ich mir Gedanken darüber mache, was ich esse, woher es kommt, und welche 
ökologischen oder sozialen Auswirkungen meine Art zu essen hat. Deswegen gehört Fleisch für mich nicht dazu. 


"The question of eating animals hits chords that resonate deeply with our sense of self – our memories, 
desires, and values. Those resonances are potentially controversial, potentially threatening, potentially 
inspiring, but always filled with meaning. (…) The questions of eating animals is ultimately driven by our
intuitions about what it means to reach an ideal we have named, perhaps incorrectly, 'being human'."
- J.S. Foer, Eating Animals, p. 264 (Penguin Edition)



"Animal agriculture makes a 40% greater contribution to global warming than all transportation 
in the world combined; it is the number one cause of climate change."
- J.S. Foer, Eating Animals, p. 58


Foer bettet seine Überlegungen zum Essen von Tieren in verschiedene Familiengeschichten 
ein (wie eigentlich alle seine Romane Familiengeschichten sind). Besonders Thanksgiving hat es ihm angetan
und die Frage, wie dieses Fest ohne den Turkey aussieht. (Schön und zeitgemäß ist die Antwort, denn der 
heutige Truthahn aus dem Mastbetrieb vollgepackt mit Hormonen und Medikamenten wäre für die frühen 
Pilgrims kein Anlass gewesen zu feiern. Stimmt, denke ich). 

Unsere persönlichen Entscheidungen über das Essen werden nie ganz privat bleiben, da wir mit/bei/vor anderen 
Menschen essen, weil Essen verbindet genauso wie polarisiert. (Weil wir mit Freunden "heute Abend 
zusammen was kochen", eine sehr deutsche Tradition, die exportiert werden sollte). Deswegen besteht 
Hoffnung, dass unsere persönliche Achtsamkeit mit Nahrung, unser Bewusstsein, Kreise ziehen werden.


"As a 'solitary eater' your decisions will, in and of themselves, do nothing to alter the industry. 
That said, unless you obtain your food in secret and eat it in the closet, you don’t eat alone. We eat as 
sons and daughters, as families, as communities, as generations, as nations, and increasingly 
as a globe. We can’t stop our eating from radiating influence even if we want to. (…) 
Eating is a social act."
- J.S. Foer, Eating Animals, p. 261




PS: Ach so, ich bin natürlich auch ein bekennender Fan von Quinoa, Kichererbsen, Amaranth, 
Hülsenfrüchten, Nüssen, Wurzelgemüse usw. Das gehört sich wohl so für ordentliche Vegetarier. Zu meiner 
Verteidigung bleibt zu vermerken, dass David Lynch auch eine ausgeprägte Schwäche für Quinoa hat.

06.02.12

Von der Ostfront

00:10h, der Müll in unserem riesigen Innenhof wird gerade geleert. Irgendwann muss es ja gemacht werden, 
warum nicht mal im Dunkeln. Ach, der Müll, der Innenhof, unsere Nachbarn – das ergibt noch einen gesonderten 
Post. In unserem Treppenhaus sieht man öfters Spuren der Nacht, leere Flaschen, Scherben usw. Neu ist 
allerdings, dass das verschüttete Bier jetzt festfriert und sehr glatt ist.
Aber es hängen weiße Spitzengardinen im Treppenhaus und in Metall gestanzte Blümchen zieren die 
Treppenstufen (Gründerzeitbau); es ist also nicht ganz verwahrlost. Es wird eine Freude, euch das noch genauer 
zu schildern. Fotos vom Treppenhaus folgen im Frühjahr, denn dann scheint die Morgensonne dort hinein.

Jetzt bin ich also zurück im Osten. Jedes Mal ein kleiner Schock, wenn ich wieder fest stelle, dass ich die 
Menschen nicht verstehe. Ich habe keine Ahnung, was sie sich erzählen, was sie bewegt, wie sie es rüberbringen.

„Was hat der Typ da eben gemeint,
ich hab kein Wort davon verstanden,
doch es hat sich wohl gereimt.“

Um mich so schnell wie möglich wieder an Polen zu gewöhnen, habe ich heute Rote Beete im Ofen und Buchweizen 
gekocht. Kulinarische Integration. Morgen könnte ich dann auch wieder meiner Pierogi-Leidenschaft frönen. 
Und ich habe einen Spaziergang gemacht, bei -15° meine Kamera gezückt, um das schöne Winterlicht auf der 
eingefrorenen Oder und den Oderinseln mit ihren Kirchen und Brücken festzuhalten.  

25.01.12

Größer, schöner, weiter































Im Jahr 2012 möchte ich mit größeren Bildern aufwarten, damit ihr mehr 
zu schauen habt und mehr Details erkennt. Auch wenn die Tendenz bei 
mir zum großen Korn und nicht zur digitalen Megaauflösung geht, 
können größere Ansichten nicht schaden, denke ich mir. 


Das Bild ist genau vor einem Jahr entstanden und zeigt die kentishe Küste. 
Bald gibt es neue Winterbilder von mir. Die Farben verschwimmen im 
Winter alle zu einer Harmonie mit nur sehr vagen, feinen Nuancen. Man 
muss Nachsicht haben mit dem Winter. 

06.01.12

Vorsätzlich

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Viel Glück wünsche ich meinem Leser für 2012. 
Sehr viel. 
Ich würde es jetzt gerne auch auf polnisch schreiben können, aber das 
kann ich noch nicht. Ich kann nur andere Sachen auf polnisch schreiben, 
und die würden jetzt alle nur so mittelprächtig passen. 
Wenn ich mal die Anzahl meiner Blogposts kritisch reflektiere, fällt auf, 
dass 2011 ein ganz ertragreiches Jahr war. 2010 nicht. 2012, das habe 
ich im Gefühl, wird bombig. 

Der erste Monat vielleicht noch nicht, aber dann wird mein Jahr ganz prickelnd. 
Ich werde alle guten Vorsätze, die ich aus vorsorglicher Frustrationsvermeidung 
nicht gefasst habe, auf magische Art und Weise schlussendlich doch noch 
erfüllen. Ohne es tatsächlich erbittert zu versuchen. Und ich werde ein besserer 
Mensch werden, falls ich das noch nicht deutlich gemacht habe. 

16.12.11

Zeiten #2

Nach dem letzten Eintrag, der ja sehr zeitzonenkritisch war, muss ich jetzt unbedingt noch etwas sehr Positives schreiben: In Polen ist das Leben leichter.
Zu jeder Tages- und Nachtzeit, auch an jedem Wochentag, kann ich alles bekommen, was ich brauche, katholisch hin oder her. Gestern Abend zum Beispiel bin ich um 00:10h an einem Geschäft vorbeigekommen und mir ist auf- und eingefallen, dass ich unbedingt Butter für meinen Mitternachtssnack brauche (Brot mit Butter UND Schokoladenaufstrich). Der Mann, der an der Kasse lehnte, hat mich lässig gefragt, ob das fürs Abendessen sei, und ich habe (natürlich ebenso lässig) bestätigt, dass die Butter fürs Abendessen sei („tak, kolacja“). Auch der Supermarkt hat sonntags auf und die Bäckereien im Viertel scheinen ihre Öffnungszeiten so abgesprochen zu haben, dass die Kunden nie ohne frisches Brot (chleb) oder frische Kekse (ciastka) auskommen müssen. Ich finde das großartig. Direkt links von meiner Eingangstür ist außerdem ein kleines Lebensmittelgeschäft, es heißt Fröschchen (żabka), und es hat jeden Tag von 7-23h auf. Es ist einfach klasse, dass ich nie mit der Tatsache konfrontiert werde, dass ich immer nur genau für einen Tag einkaufe.
Und noch etwas: Polen macht mich ganz dekadent. Ich betreibe jetzt Online Shopping für Dinge, die ich in den kleinen Läden meines Viertels nicht bekomme oder nicht tragen will (Wasser, Waschmittel, Säfte – ihr versteht). Alles wird in die Wohnung gebracht, was mich 1,25€ kostet. Und Kochen fällt mir auch zunehmend schwer, wenn ich hausgemachte Pierogi, gefüllt mit Weißkohl und Kartoffelbrei, und Saure-Gurken-Suppe (zupa ogórkowa) für 1,80€ essen kann. Es ist herrlich.  

14.12.11

Zonen, Zeiten

Polen ist in der falschen Zeitzone. Es ist in einer Zeitzone mit Frankreich und Deutschland. Nun denke ich über Polen zwar nicht mehr als ein osteuropäisches Land, sondern als ein mittel- bzw. zentraleuropäisches, so wie es die Polen selbst tun (der Osten fängt in Weißrussland und der Ukraine an). Dennoch muss man sich das mal überlegen: Nehmen wir zum Beispiel Brest. Wrocław ist mit Brest zusammen in einer Zeitzone. Brest liegt 1571km Luftlinie westlich von Wrocław. Während bei uns die Sonne um 7.46h aufgeht, geht sie in Brest erst um 9.00h auf. Aber viel schlimmer ist, dass sie bei uns um 15.46h schon wieder untergeht, in Brest aber noch bis um 17.25h scheint. Sie geht hier also genau 99 Minuten oder ca. 1Std. 40Min. früher unter. Das finde ich ziemlich viel. Ich muss auch nicht extra betonen, dass ich als Studentin, deren Veranstaltungen nie vor 14h anfangen, nicht an einem Aufstehen um 7.46h interessiert bin.
Ich würde sofort eine Petition unterschreiben, die Polen in eine Zeitzone weiter östlich verschieben will. Dann wäre ich in einer Zeitzone mit Weißrussland, die sich Eastern European Time (EET) nennt. Dann könnte ich mit dem Sonnenaufgang um 9.46h aufstehen und den Tag bis um 17.46h genießen, so wie die Leute in Brest das tun. Aber vielleicht sind Zeitzonen auch politisch motiviert und Polen möchte sich nicht mehr als nötig nach Osten orientieren.  

07.12.11

Dzień nikolausowy

Die Überschrift ist eine polnische Wortkreation von mir. Ja, soweit ist es schon gekommen, ich kreiere polnische Wörter. Es soll Nikolaustag heißen, vielleicht können die Polen unter euch das akzeptieren? 


Es ist nicht mehr von der Hand zu weisen, meine Wohnung ist zu der Lokalität Nummer eins geworden, wenn es ums Feiern geht. Legendäre Parties hat der rostrot gestrichene Holzboden im Wohnzimmer mitgemacht, es wurde auf dem Esstisch getanzt, es wurden Stühle zerbrochen, es wurden erst Paare inflagranti im Badezimmer entdeckt und dann angefeuert, es wurde der Küchenboden 3x gewischt, um nicht auf dem Bier kleben zu bleiben. 


Wir haben aber auch die ruhigeren Abende. Die, an denen keiner mehr gehen will, weil niemand sein Zuhause unserem Wohnzimmer mit Stuck und Flügeltüren vorzieht, wo sich die schläfrige Musik in den abricotfarbenen Wänden ausbreitet. Alle sind träge und versonnen. Das Gespräch verebbt langsam, aber der Sänger leidet gerade so schön. Das Klavier steht offen da, mit Notenblättern, so, als ob jemand spielen würde. Jeder behauptet, genau ein Lied klimpern zu können und ist der Reihe nach dran. 
Vielleicht kann man sich nur in einer Familienwohnung so behaglich fühlen; und vielleicht sollte man ganz generell anachronistisch leben: als Student wie eine Familie, als Familie wie eine WG. Es mangelt uns nicht an Tassen für Glühwein, an hochstieligen Gläsern für Wein, an Schnapsgläsern für Wodka. Sie sind alle in einer Glasvitrine aufgereiht. Wenn sich der harte Kern der Gäste herausgeschält hat, wird das kleine Silbertablett mit den Wodkagläschen herumgereicht. Jeder wählt eines nach seinem Belieben aus. Eines geht kaputt, so jung ist der Abend nicht mehr. Der leicht goldene Bisongraswodka bildet fast Eiskristalle auf dem Glas und geht runter wie Öl. Ohne pierogi ruskie davor zu essen, am besten frittierte, ist ein kleiner Kopfschmerz garantiert. Aber es ist so schön warm im Bauch.  



15.11.11

Das Heizkissen ist super, nur heizt es nicht.

Zugegeben, wenn man sich auf die Suche nach einem derart uncoolen Produkt wie einem Heizkissen macht, ist man selber schuld. Oder ganz schön verzweifelt. Beides trifft auf mich zu. Man muss sich auf das schlimmste gefasst machen. Aber so schlimm? Vielleicht gibt es einen hohen Übereinstimmungsgrad zwischen ich-brauche-Wärme und ich-brauche-ein-bisschen-Zuwendung. Oder zwischen ich-brauche-Wärme und ich-habe-zu-viel-Zeit-Kundenmeinungen-zu-schreiben. 

Liebe Netzgemeinde, das Leben ist hart:

"Dies ist kein Kissen, sondern ein Brett. Dazu noch eins aus billigstem Plastik, das ganz gemeine Geräusche macht, wenn man es bewegt. Es sich um Nacken und Schultern zu legen, gelingt nicht, da es, wie erwähnt, bretthart ist. Ganz besonders gut hat mir der "Überhitzungsschutz" gefallen. Ein Gerät, das gar nicht erst funktioniert, kann auch nicht überhitzen. Um das Gerät in Hals-Nacken-Schulter-Nähe zu bekommen, könnte man erst das Heizbrett anlegen und dann das Kabel rumwickeln. Nicht zu fest zuziehen, sonst würgt es! Der Preis ist äußerst günstig, aber für ein defektes Heizbrett doch zu teuer." 

"Habe gelesen, dass Heizkissen kaum heiss wird,- genau das habe für meine halbnagte Katze aber gesucht. Das ist war, heiss wird es nie. Die Katze ist glücklich: das Kissen gibt sehr regelmessiges und sicheres Temperatur. Empfelenswert für nagte Katzen."  

"Der Versand ging super schnell. Was mir dabei nicht gefallen hat, ist dass es unverklebt versand wurde... Jeder hätte sich an meinem Päckchen bedienen können."

"Laut Anleitung darf man sich auf dieses Kissen nicht drauflegen und im Bett darf man es auch nicht benutzen. Ganz im Gegensatz übrigens zu dem Bild auf der Verpackung... Bei Rückenschmerzen will man sich ja nun eigentlich mal gern auf ein Heizkissen, vielleicht sogar auf eine Matratze legen. Habe es zurückgeschickt."

"...daher rief ich beim Verkäufer an, um zu fragen, wie genau ich den Artikel wohin zurück schicken könnte... Ich wurde von dem guten Mann angeblöfft, als hätte ich ihn oder seine Mutter persönlich beleidigt...Meine Wärmeempfinden sei wohl völlig gestört, ich müsste mal zum Arzt gehen... Und das in einem völlig humorlosen Ton. Irgendwann war's mir zu blöd und ich habe aufgelegt. Lieber wollte ich dieses leider nutzlose Kissen behalten, als mich länger mit diesem Kerl abgeben..." 

"Dieses Heizkissen ist leicht zu bedienen. Es wird schnell warm, erreicht nur nicht die von mir erwünschte Temperatur. Ansonsten bin ich zufrieden."

"Ich bin eine erfahrene Heizkissenuserin. Ich bin von meinem neuen Heizkissen echt begeistert."     

Das sind Geschichten, die das Leben schreibt. Welches Heizkissen soll ich denn nun, als weniger gewiefte Heizkissenconnaisseurin, wählen? 

09.11.11

ae proudly presents


Erika Naumann ist eine Schreibmaschine, die nun in meinem Besitz ist. Sie ist wunderschön, sehr alt und natürlich noch funktionstüchtig. (Die Polen bringen schließlich alles wieder zum Laufen).  
Ich weiß nicht genau, ob das mein Modell ist, aber ungefähr so dürft ihr euch sie vorstellen.
Man braucht ganz schön Power, um die Tasten herunterzudrücken, bis die Buchstaben dann krachend auf dem Papier landen. Wenn man nicht fest genug drückt, wird der Buchstabe nicht so schön schwarz. 
Hach, es verspricht ein großer Spaß zu werden. 

01.11.11

Polska, lovely

Welcome back, habe ich gestern Abend zu mir selbst gesagt. Nach 12 Stunden Zugfahrt, während denen mein Po vermutlich skandalös platt geworden ist, war ich zwar zu müde, um mein frisches Kaugummi anständig zu kauen. Aber wenn man an neue Orte zieht, was ich ja regelmäßig (eigentlich exzessiv) tue, dann hat es einen schönen Effekt, kurz diesen neuen Ort zu verlassen (nach der ersten Eingewöhnungsphase) und dann wiederzukommen. 
Erst nach dieser kurzen Abwesenheit ist es jetzt wirklich mein Ort - der Ort, an dem ich lebe, studiere, nette Menschen kenne. Der Ort, in dem ich in einer rüttelnden Straßenbahn sitze und mich mächtig über das Geschäft "Alcoholove" amüsiere, an dem wir vorbei fahren. Der Ort, an dem man nicht sexy und elegant ist, sondern seksowny und elegancki, aber das dann auch richtig. Der Ort, der im Winter noch stechender nach Kohle riecht als Ostdeutschland. Das erste Mal zurückkommen, mich angekommen fühlen an einem Ort, der vor zwei Monaten noch ganz fremd war. 


Oh - und heute ist Allerheiligen, ganz großes Mikado hier in Polen. Der Friedhof war voll hunderter Kerzen, die das gelbe Herbstkleid der Bäume angestrahlt haben und unsere Gesichter auch und wir waren alle ganz friedlich und versonnen. 

12.10.11

Change is the ultimate nature of things. Change is permanent.

























Ich wohne in einer komplett eingerichteten Wohnung. Zur Hälfte sind es meine Sachen, zur Hälfte gehören sie den Besitzern, die die Wohnung 1989 verlassen haben. Somit besitze ich für eine Studentin eine ungewöhnlich große Geschirrsammlung. Zu jedem Anlass, besonders zum Trinken geringer Mengen Hochprozentigem, verfüge ich über das adäquate Trinkgefäß. Ich habe aber auch Kuchenplatten, Eierschneider, Pökelhölzer, Schaumlöffel, etc.  

Das neue Leben braucht viel Energie. Deshalb futtere ich im Moment sehr viel Brot mit Schokoladenaufstrichen, da ich ständig das Gefühl habe, schnell verfügbare Energie zu brauchen, um alle Speicher aufzufüllen, die sich permanent entleeren. Jeden Tag etwas Neues, Spannendes, oder Nerviges, Lästiges.
Ein Alltag zeichnet sich noch nicht ab. Irgendwann wird jeder einzelne Wochentag seinen Ablauf, sein Profil haben; ich werde die Wege, Orte und Kombination aus Leuten auswendig kennen, aus denen jeder Tag besteht. Das nennt man wohl Routine oder Alltag und ich finde es ganz bemerkenswert, dass ich mich gerade nach so etwas sehne. Irgendwann werde ich diesen Rhythmus wahrscheinlich gefunden haben, aber im Moment wird hauptsächlich improvisiert.